„Hey, na wie geht’s?“
fragt die Person und hält sich dabei geschwind die Ohren zu.
„Ziemlich beschissen, ich hab’ gestern erfahren, dass ich eigentlich ein Gnu bin und morgen muss ich mir deswegen das Hirn entfernen lassen“ versuche ich einmal mehr, etwas primitive Farbe in ein sich anbahnendes Gespräch des Grauens zu bringen.
Den Smalltalk, der so grässlich klingt wie er ist.
„Fein, fein!“ spricht das Menschlein „ ich war gerade noch auf einen Cafe mit Anna, die kennst du doch noch, oder? Stell dir vor, die ist jetzt schwanger und ihr Typ, der Arsch, der lässt sie sicher sitzen, das seh’ ich jetzt schon kommen…“
„Äh…“
versuche ich einzuwerfen, bevor mir das große Kotzen kommt, aber leider ist das Unding vor meiner Nase nicht zu bremsen und rattert weiter vor sich hin.
Von diesem und jenem und kennst du noch…?
Nein, kenn ich nicht mehr, will ich gar nicht mehr kennen oder je gekannt haben!
„Eine weitere sinnlose Verschwendung von Energie und Materie, so wie du“ würde ich gerne sagen, aber leider kleistern mir gute Erziehung und Feigheit einmal mehr den Mund zu.
Stattdessen ein verkrampftes Nicken und Warten auf die erste sich bietende Gelegenheit. Ein kleines Stillschweigen im Monolog der Egosau, die geradezu aufgeht in dem, was sie zu säuen hat.
Aber es hört nicht auf zu quaken, ist nun bei der eigenen Beziehungskrise angekommen, fasst das neuerliche Resümee, dass alle Männer Scheiße sind und flennt beinah.
„Wer sonst würde sich auch für dich interessieren, als jemand, der gerne mit Scheiße zu tun hat?“ fragt das feige Ich in sich hinein und stellt sich dabei die ungläubigen Kulleraugen vor, die man so wunderbar auslöffeln könnte. Diese kleine Stupsnase, die sich hervorragend zum abschneiden eignen würde…
Und schon schweife ich ab, höre gar nicht mehr zu und bin dadurch endlich richtig dabei, im Gespräch, denn Zuhören wird gar nicht erwartet.
Ist keine Voraussetzung für den kleinen Misthaufen, der mich zumüllt.
Irgendwann hat die Person dann genug heiße Luft produziert, dass ich zu Schwitzen beginne.
Dicke Tropfen rinnen mir die Achseln hinunter, perln mir über die Stirn und laufen mir in die Augen.
Mir wird übler und übler, bis ich meine ich muss platzen.
Schnell, eine Ausrede gefunden!
Schnell ein dringender Termin und dann nix wie weg oder ich muss mich mit Benzin übergießen und anzünden!
Warum nicht sie?
Warum mich?
Egal, Hauptsache irgendwer muss gleich dran glauben.
Weg!
Und ich hetze los. Weiß, ich darf mich nicht umdrehen, weil ich mich sonst in eine Salzsäule verwandle und sie bis zum jüngsten Gericht weiter auf mich einredet.
Starte einen Sprint um die nächste Ecke und stoße dort mit Anna zusammen…
„Hey, na wie geht’s?“
Fragt mich die Anna, lächelt mich niedlich an und ich schlage ihr alle Zähne ein, reiß’ ihr die Haare aus und erhänge sie am nächsten Baum…
…während ich feig’ einfach nur so tu als würde ich’s nicht gehört haben und weiter flüchte,
vor Menschen,
vor Ungeziefer,
vor mir.
© Sybille Lengauer
Interessiert ja keine Sau wie’s einen geht, in Wirklichkeit schieben die meisten nur diese Frage vor, um irgendwas zu reden und im Anschluss am besten nur über sich zu quasseln…