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Dunkel

Veröffentlicht: Mai 17, 2011 in Geschichten oder so ähnlich
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Dunkel ist es hier draußen. So Dunkel. Ich liege auf kaltem Beton und höre Musik. Spüre wie sich kleine Kieselsteine gegen meine Schulterblätter drücken. Friere ein wenig. Schaue in den noch kälteren Himmel und stelle mir vor, dass irgendwo im Universum ein unbegreifliches Wesen gerade dasselbe macht wie ich. Einsame Straßenlichter spiegeln sich in meinen Augen. Ich rieche nasses Gras, feuchte Erde, Tannennadeln. Drehe die Musik ein wenig lauter und presse die Ohrstöpsel fester in meine Ohren. Frage mich, wie viele Menschen hier unten gerade dasselbe hören wie ich.

Dunkel ist es hier draußen. So Dunkel. Meine Gedanken dehnen sich auf dem kalten Beton und hören Kopfmusik. Spüren wie der Körper ein wenig unruhig wird, sich an den Kieselsteinen stört. Er friert. Meine Augen blicken hoch zum gefrorenen Himmel. Ich denke an Sternschnuppen und einen letzten Wunsch, der noch frei sein könnte. Der noch ungezwungen sein könnte. Unausgesprochen im Raum hängen könnte, starr in der Luft schwebend wie ein fragiler Kolibri aus Glas. Kleine Lichtblitze funkeln in meinem Kopf, spiegeln sich in den Augen, die den Himmel nach einer Antwort absuchen. Ich spüre die Vibration, als ein Auto vorbeifährt, rieche seine Abgase und denke an Urwälder vergangener Zeiten. An den Ursprung. Den Urknall. Frage mich, wie vielen Menschen hier unten gerade dasselbe tun wie ich.

Dunkel ist es hier draußen. So dunkel. Ich liege auf dem kalten Beton und über mir ziehen Wolken durch den Himmel. Regentropfen fallen auf mich herab. Ich starre die Wolken an und stelle mir vor, dass der Regen aus einem weit entfernten Ozean kommt. Raum und Zeit überbrückt hat, um sich nun auf meine Haut zu stürzen. Mein Körper zittert gegen die Kälte. Ich denke an Flüsse, die im frühen Morgenlicht zu dampfen scheinen. Denke an Nebelschwaden, Wolkenbrüche und Sommergewitter. Frage mich, warum die Zeit in den schönsten Momenten immer so schnell vergeht. Ich rutsche ein wenig hin und her, fühle wie mein Körper über den Boden schrappt. Mein Kopf drückt gegen den Boden, drückt immer fester, bis es weh tut. Haare bleiben im Beton hängen, ich lasse etwas zurück, bevor ich aufstehe und gehe. Gehe ich überhaupt? Oder bleibe ich liegen, bis Moos anfängt, auf mir zu wachsen? Ich frage mich, wie viele Menschen hier unten gerade über das Sterben nachdenken.

© Sybille Lengauer