Archiv für Juni, 2019

(Aus „Goldstaub & Ruinen“. Dieses Gedicht ist nun schon einige Jahre alt, aber im Moment könnte ich es jeden Tag neu posten, denn der braune Sumpf wächst und gedeiht, wo man nur hinschaut. Steht auf und leistet Widerstand, es kommt auf jeden von uns an.)

Ode an den Nazi-Wichser

Du wandelst weltfremd über Leichen,
Schwebst übers staubgrau der Geschichte,
Stellst für den jungen Hass die Weichen,
Ersinnst, noch während ich hier dichte,
Dir neue, alte Feindchimären,
Die ohne dich nur Geister wären,
Und spuckst der Logik ins Gesicht,
Für dich allein besteht sie nicht.

Du grollst des Menschen Farbenspiel,
Verachtest seine Hülle,
Dein einzig, wahres Lebensziel,
Zerstört des Daseins Fülle,
Du stichst dein schmählich’ Manifest,
Ins hirnentleerte Wespennest,
Ergötzt dich an des Wortes Saat,
Und träumst von einem „reinen“ Staat.

Du denkst dein Weltbild sei noch richtig,
Wenn hinter dir schon Mauern fallen,
Der Menschheit Würde ist dir nichtig,
In ihre Anmut schlägst du Krallen,
Verbrennst die Unschuld ohne Güte,
Ersetzt sie durch dein Hassgewüte,
Doch musst auch du zuletzt erkennen:
Am Ende wirst du selber brennen.

© sybille lengauer

(ein altes Gedicht, das heute wieder einmal sehr gut passt)

Mir geht’s ziemlich mies, denn ich sitze,
Extrem transparent in der Hitze,
Oh Mist, transpirierend, das wollt‘ ich doch sagen!

Die Worte verwirren sich unter dem Scheitel,
Zerschmelzende Ganglien winden sich heitel,
Nein heiter, verdammt auch, ich krieg’s heut nicht hin!

Die Fuchstabenbolter, sie drechselt mich nieder,
Der Hirnhitzestaugau zersetzt mir die Glieder,
Doch sonnig das Menschlein, gediegen und froh,
Gönnt sich ein Bier und…
Verdrückt sich.

(c) sybille lengauer

Heute Nacht, bei Vollmond, so schön,
Habe ich die Sterne in den Wiesen tanzen sehn.
An Flusses Ufer, wo die Königskerzen blühn,
Sah ich einen Reiher durch die Honiggräser ziehn.
Und ich stellte ihm die Frage,
Und ich stelle sie nun dir:
Träumte ich im Himmel?
Oder träumte er in mir?

© sybille lengauer

Raider

„Du bist also die Neue, was?“ Der vierarmige Hühne, der Chara am Ausgang der Luftschleuse anspricht, erkennt das Offensichtliche. Die hagere Menschenfrau mit den grauen Strähnen im Haar ist die einzige Passagierin, die über eine erforderliche Anzahl von Gliedmaßen verfügt, um dem holografischen Abbild zu entsprechen, das er bei sich trägt. Nur noch selten laufen humanoide Lebensformen die Raumstation Oja-Viu 6 an, die vor fünfzig Jahren tief im Heimatgebiet der Gallertartigen errichtet wurde. Der heruntergekommene Handelsposten ist kaum noch in den offiziellen Navigationskarten der Planetaren Republik verzeichnet und somit ein perfekter Ort, um sich unbemerkt zu treffen. „Mein Name ist Little Dove. Wie das kleine Täubchen. Du verstehst? Ha. Ha. Ha.“ Der Hühne stemmt seine baumdicken Hauptarme in die fleischigen Hüften und lacht übertrieben laut. Seine schlankeren Nebenarme ahmen flatternde Bewegungen nach. Sein Doppelkinn wackelt bedrohlich, kleine Speicheltropfen fliegen. Breitbeinig steht er im schmalen Gang und blockiert den Weg für die anderen Passagiere. Eine Gruppe Tequelianer fließt an ihm vorbei und rauscht missbilligend. Die zarten Liquid-Wesen formieren sich in seinem Rücken kurz zu einer verärgerten Geste, dann fließen sie weiter den Gang hinunter. Chara blickt ihnen mit hochgezogener Augenbraue hinterher, ein kleines Lächeln umspielt ihre schmalen Lippen. „Stand dein Name in einem Glückskeks oder waren deine Eltern Komiker, Herr Täubchen?“ Little Dove lässt enttäuscht die Arme sinken. „Humor ist wohl nicht so dein Ding, hä?“ grollt er mit tiefer Stimme. „Zumindest nicht der von wandelnden Klischees.“ erwidert die Menschenfrau kalt. „Kli- was?“ „Genau das.“ Chara starrt den enormen Fleischberg gelassen an. „Was soll’s,“ brummt der schließlich resignierend, „komm mit, ich bringe dich zu den anderen.“ Little Dove schüttelt seinen massigen Kopf und trottet grummelnd den Gang hinunter. Chara folgt ihm mit federnden Schritten.
„Das hat ja ganz schön lange gedauert.“ „Hättest sie ja selbst abholen können.“ „Prioritäten, mein Guter, Prioritäten!“ Little Dove schnaubt abfällig und verlässt mit beleidigter Miene die spärlich beleuchtete Nackt-Bar. Der quirlige Ardaneer, der so ungehalten zu ihm gesprochen hat, tritt mit einer galanten Begrüßungsgeste an Chara heran. Seine gereizt-violette Gesichtsfarbe wechselt zu einem freundlichen Pastellton. „Willkommen auf Oja-Viu 6, ehrenwerte Wegweiserin. Ich hoffe, du hattest eine angenehme Reise. Wenn ich um deine Authentifizierung bitten dürfte.“ Chara streckt wortlos den rechten Arm von sich. Der Ardaneer zückt einen Scanner und prüft sorgfältig die Ident-Tätowierung an ihrem Handgelenk. Sein Gesicht beginnt in einer wohlwollenden Farbe zu leuchten. Die beiden Menschen, die am geschwungenen Tresen lehnen und auffällig unauffällig im Hintergrund bleiben, entspannen sich merklich. Mit leicht gerümpfter Nase lässt Chara einen Blick durch die schummrige Nackt-Bar schweifen. Die meisten Tische sind unbesetzt, die wenigen Gäste des heruntergekommenen Etablissements halten voneinander Abstand, scheinen sich nicht zu kennen, oder nicht kennen zu wollen. Jeder bleibt für sich, in sein Getränk vertieft. Niemand beachtet die 3D-Porno-Hologramme, die auf schmalen Lichtbühnen für Stimmung sorgen sollen. Die quietschbunten Simulationen haben ihre besten Jahre schon lange hinter sich und flimmern manchmal grünlich, wenn das grelle Licht der tanzenden Scheinwerfer auf sie trifft. Die dargebotenen Fick-Shows verkommen dadurch zu unästhetisch abgehackten Animationen. Auch die Spielautomaten, die eng aneinandergereiht an den Wänden der Bar stehen, wirken altbacken und sind von einer dicken Staubschicht überzogen. „Nett habt ihr es hier.“ stellt Chara trocken fest. Der Ardaneer lacht gekünstelt. „Ein Hafen ist ein Hafen, Liebes.“ erwidert er, dann führt er die Frau zu den beiden Menschen, die am Tresen warten. „Wenn ich vorstellen darf, das ist Pia-Pia, sie ist seit über vier Jahren für die Technik an Bord der Mary Read verantwortlich. Und dieser nette junge Mann hier ist Schwarze Mamba, er ist unser Pilot. Nenne ihm den Ort und er findet einen Weg. Ich selbst höre auf den klingenden Namen Weber. Wenn du Fragen oder Wünsche hast, wende dich getrost an mich. Ich bin der Concierge.“ Chara nickt abwesend, sie mustert den dicklichen Jungen von Kopf bis Fuß, der ihr soeben als Pilot vorgestellt wurde. „Du bist Schwarze Mamba?“ fragt sie mit weicher Stimme. „Ja. Warum fragst du?“ erwidert der rothaarige Teenager, dessen Gesicht nur aus Sommersprossen zu bestehen scheint. „Ach, nur so ein Gedanke.“ wiegelt Chara ab. Sie wendet sich der vollbusigen Bordtechnikerin zu und beginnt ihr ungeniert in den tiefen Ausschnitt zu starren. „Wo ist Balquand?“ Chara richtet die Frage an Weber, doch sie lässt Pia-Pias überquellendes Dekolleté dabei nicht aus den Augen. „Er wird bald zu uns stoßen.“ versichert der Ardaneer. „Vielleicht trinken wir bis dahin noch eine Kleinigkeit?“ schlägt Schwarze Mamba in hoffnungsvollem Ton vor. „Gerne.“ „Was darf dir bestellen?“ fragt Pia-Pia, die Charas begehrliche Blicke mit einem füchsischen Grinsen beantwortet. Sie deutet geziert auf ein Display, das in den nachlässig polierten Tresen eingelassen ist. „Überrasche mich einfach.“ Chara lässt sich zu einem kleinen Zwinkern hinreißen. „Das würde ich Ihnen nicht empfehlen.“ erklingt eine freundliche Stimme in ihrem Rücken. Chara bleibt gelassen, nichts ändert sich an ihrer entspannten Körperhaltung. Lächelnd dreht sie sich zu dem unscheinbaren Mann mit Halbglatze um, der plötzlich hinter der Gruppe aufgetaucht ist. Webers Gesicht beginnt in hektischen Farben zu leuchten. Er drängelt an den anderen vorbei zum Kapitän. „Wenn es mir bitte möglich wäre… Danke.“ Mit herausgestreckter Brust baut er sich zwischen Chara und dem Kapitän auf. „Wegweiserin, es ist mir eine unermessliche Freude, dir unseren geliebten Anführer vorzustellen.“ Weber verbeugt sich umständlich, seine Gesichtsfarbe passt sich respektvoll der dunkelblauen Uniform des Kapitäns an. „Den unvergleichlichen Monsieur Balquand. Kapitän der legendären Mary Read, Schrecken der Planetaren Republik, Geißel der Galaxis.“ „Sie übertreiben, mein alter Freund, Sie übertreiben maßlos.“ Balquand rollt entschuldigend mit den Augen und reicht Chara die Hand zum Brudergruß. „Willkommen, Wegweiserin Chara. Lassen Sie lieber die Finger von den Drinks, die Ihnen Pia-Pia spendieren möchte und lassen Sie sie auch von meinem Personal.“ Er lächelt kameradschaftlich, doch etwas in seinen Augen bleibt dabei sehr ernst. Chara erwidert den Brudergruß und neigt den Kopf in einer devoten Geste. „Verstanden, Sir. Danke, dass ich dabei sein darf.“ „Ausgezeichnet. Nun, wir sind komplett. Lasst uns an Bord gehen.“ Die Besatzungsmitglieder folgen dem Kapitän aus der schummrigen Nackt-Bar. Vor der Tür wartet Little Dove auf die Gruppe, er lehnt bequem neben einer klapprigen Imbissbude und verschlingt frittierte Bananen am Spieß. Ein emsiger Quebellianer, der die Imbissbude betreibt und stark einem flauschig gebürsteten Erdhörnchen ähnelt, reicht ständig neue Spieße nach und grinst dabei glücklich wie eine Ratte in der Schinkenkammer. Ein Haufen leergegessener Holzstäbchen zu Little Doves Füßen zeugt vom außerordentlichen Appetit des Riesen. „Da seid ihr ja.“ schnauft er mit vollem Mund.

Zwei Wochen später…
In der zweckmäßig eingerichteten Schiffskantine der Mary Read sitzen sich Chara, Schwarze Mamba und Little Dove an einem silbergrauen Metalltisch gegenüber und spielen Karten. Das Spiel ist simpel und um es etwas interessanter zu gestalten, wird um die unbeliebten Spätschichten im Observationsraum gespielt. Da Little Dove hinlänglich damit beschäftigt ist, die ausgeteilten Karten in seinen Händen zu sortieren, betrügen Chara und Schwarze Mamba nach Herzenslust. Der vierarmige Hühne runzelt ärgerlich die Stirn, als er zum wiederholten Mal verliert. „Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen.“ knurrt er gereizt. Seine kleinen Augen wandern misstrauisch zwischen dem jungen Piloten und der hageren Wegweiserin hin und her, die beide aussehen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. „Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag.“ tröstet Chara hinterfotzig. Sie tauscht einen schnellen Seitenblick mit Schwarze Mamba und sammelt lächelnd die Karten ein. „Noch eine Runde?“ fragt sie mit unschuldigem Augenaufschlag und winkt einen Bordsklaven heran, um neue Getränke zu bestellen. Ein schrilles Signal aus dem Lautsprecher unterbricht das gesellige Beisammensein. „Wir sind durch!“ Schwarze Mamba schnellt aus seinem Sessel und verlässt die Kantine im Laufschritt. Chara bleibt entspannt sitzen und beobachtet Little Dove, der konzentriert eine grüne Olive aus seinem Getränk fischt. „Heute ist unser Glückstag, mein Täubchen.“ murmelt sie leise. „Hm?“ fragt Little Dove kauend. „Ach, nichts. Wir sehen uns später.“ Chara steht auf und tätschelt zum Abschied liebevoll den Kartenstapel.
„Haben wir Sichtkontakt?“ Selbstsicher betritt sie die Brücke und wendet sich direkt an Weber, der im Kommandostuhl sitzt und dessen dunkelrote Farbe angenommen hat. „Positiv.“ bestätigt der Ardaneer. „Wurde Balquand informiert?“ „Er wartet in seinem Raum.“ Chara durchquert die Brücke und klopft höflich an die Tür zum Raum des Kapitäns. „Herein.“ Balquand sitzt an einem massiven Schreibtisch aus Walnussholz, der fast unter dem Durcheinander aus Karten, Ordnern und Büchern verschwindet, das der Kapitän über ihm ausgebreitet hat. Er blickt von seinen Aufzeichnungen hoch, als Chara mit einem respektvollen Nicken bei der Tür hereinkommt. „Ah, Chara. Schön, dass Sie es noch einrichten konnten.“ Die Wegweiserin wirft einen giftigen Blick zu Schwarze Mamba, der lässig in einem Stuhl lümmelt und unverhohlen grinst. Wortlos nimmt sie Platz und wartet ab. „Wir haben uns gerade über den Hive unterhalten.“ Balquand wendet sich wieder seinen Aufzeichnungen zu. „Das Asteroiden-Labyrinth war, dank Ihrer kompetenten Hilfe, keine große Schwierigkeit für uns. Doch in den Hive zu kommen stellt eine ganz andere Herausforderung dar. Wir haben erste Bilder.“ Der Kapitän winkt und ein Bordsklave reicht Chara einen Ordner vom Schreibtisch. Die Wegweiserin studiert eingehend die verschwommenen Aufnahmen. Ihre strengen Gesichtszüge verraten nichts über ihre Gedanken. „Hm.“ macht sie nach einer ganzen Weile. Balquand runzelt die Stirn, lehnt sich in seinem ledergepolsterten Sessel zurück und wartet auf eine weitere Reaktion. „Er sieht anders aus, als ich ihn in Erinnerung hatte.“ Der Kapitän seufzt. „Ihrer Beschreibung nach handelt es sich um ein kleines Nest, maximal achtzig Individuen. Doch der Hive, den ich auf diesen Bildern sehe, bietet Platz für mindestens fünfhundert Tiere. Ich habe noch nie von einem so großen Hive gehört.“ „Am Risiko ändert sich wenig.“ hält Chara dagegen, energisch reckt sie das ausgeprägte Kinn vor. „Bei einem Hive dieser Größe stehen wahrscheinlich mehrere Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Das müssen wir bedenken, bevor wir das Schwärmen der Jungköniginnen auslösen. Die Struktur im Inneren eines großen Hives ist aber genauso spiralförmig angelegt, wie es bei einem kleineren Nest der Fall ist. Für die Navigation des Piloten ändert sich also rein gar nichts. Alle Wege führen irgendwann zur Königin, es dauert nur ein wenig länger. Und Kapitän, es ist nicht von Belang, wie viele Individuen sich im Hive befinden. Wenn wir die Verhaltensregeln befolgen, die ich für unseren Einsatz erarbeitet habe, sind wir in relativer Sicherheit.“ Chara unterbricht ihre Rede und denkt kurz nach. „Und sollten uns die Wächterinnen vorher enttarnen, sind wir tot.“ fügt sie bitter hinzu. Balquand ist ihrer Erläuterung aufmerksam gefolgt. Nachdenklich reibt er über seine Augenbrauen. „Sie scheinen über ein hohes Maß an Zuversicht zu verfügen.“ „Es ist nicht mein erster Raid dieser Art, Kapitän Balquand.“ „Wie viele Besatzungsmitglieder gingen bei Ihrem letzten Hive-Raid zugrunde, Wegweiserin?“ Die Frage trifft Chara unvorbereitet, sie reagiert kurz irritiert, fängt sich aber schnell wieder. „Vier, Kapitän. Aber…“ „Von wie vielen Besatzungsmitgliedern?“ unterbricht Balquand ihren Erklärungsversuch. „Acht, Kapitän.“ Die Wegsucherin blickt verstimmt zu Boden. „Erfahrungswerte, hm?“ ätzt Schwarze Mamba, doch Balquand und Chara ignorieren ihn und so verstummt er enttäuscht. Der Kapitän misst die Wegsucherin mit einem strengen Blick, sein Räuspern beendet das unangenehme Schweigen. „Bis auf Weiteres halten wir uns am Rand des Labyrinths verborgen. Chara, bereiten Sie die Mannschaft auf den Eintritt in den Hive vor. Ich möchte, dass auch die Sklaven in den Verhaltensregen geschult werden. Mamba, trainieren Sie die Flugmanöver, die ich Ihnen aufgezeichnet habe. Informieren Sie Pia-Pia und Little Dove, dass ich sie sehen möchte.“ Mit einer knappen Geste löst Balquand die Besprechung auf.

„Wiederhole es.“
„Greifarme raus, Hinterleib fassen, Stachel greifen. Das Gift in den Behälter abpumpen, bis beide Drüsen leer sind. Die Flüssigkeit darf nicht mit dem Weltraum in Kontakt kommen. Den Stachel mit dem Laser versiegeln. Die Biene betäuben, sichern und im Frachtraum bergen.“
„Gut. Noch einmal.“
„Ist das wirklich nötig, Chara?“
„Ja, ist es Pia. Also?“
„Okay. Greifarme raus, Hinterleib fassen, Stachel greifen. Das Gift in den Behälter abpumpen,…“
„Seid ihr immer noch hier?“ Weber betritt den kleinen Shuttlehangar. Seine Gesichtsfarbe spiegelt seine Nervosität wider, der Concierge schimmert in einem kränklichen Blassgelb. „Wir gehen den Ablauf noch einmal durch.“ Chara steht mit verschränkten Armen vor Pia-Pia und Little Dove, der in einem gepanzerten Raumanzug steckt und still vor sich hin schwitzt. Schwarze Mamba lehnt betont gelangweilt am Eingang des Shuttles und gibt sich tiefenentspannt, doch die Schatten unter seinen Augen verraten, dass er in der letzten Nacht schlecht geschlafen hat. „Der Kapitän hat das Signal zum Aufbruch gegeben. Die Zeit läuft.“ Weber fuchtelt hektisch mit den Armen. „Ja, ja, ist schon gut.“ winkt Chara ab, die anderen verschwinden wortlos im Shuttle. Pia-Pia wirft Chara einen heimlichen Kuss zu, bevor sie das Shuttle betritt und die Luke schließt. Die Wegweiserin lässt ein kurzes Lächeln aufblitzen, dann folgt sie Weber aus dem Hangar. Angespannt beobachtet sie den Shuttlestart hinter einem Sichtfenster, dann folgt sie dem Ardaneer zur Brücke. „Start erfolgreich. Geschätzter Kontakt in Achtzehn Minuten.“ meldet Kapitän Balquand über Lautsprecher. Chara beschleunigt ihre Schritte.
Auf der Brücke herrscht rege Betriebsamkeit, trotzdem ist es beinah gespenstisch still. Die Bordsklaven sind perfekt aufeinander eingestimmt und erledigen ihre Aufgaben, ohne zu sprechen. Kapitän Balquand sitzt in seinem Kommandostuhl und verfolgt aufmerksam die Bilder, die das Shuttle an den Empfänger der Mary Read sendet. „Geschätzter Kontakt in Siebzehn Minuten.“ informiert er Weber und Chara, die unverzüglich ihre Plätze einnehmen. „Little Dove soll die Pheromone bereitmachen.“ befielt der Kapitän. Chara gibt die Anweisung an das Außenteam im Shuttle weiter. „Pheromone bereit.“ meldet sie nach einer halben Minute. „Gut, er soll aussteigen.“
Im Laderaum des kleinen Shuttles nestelt Little Dove in der Schwerelosigkeit an seinem Raumanzug. Die schwere Panzerung behindert seinen Bewegungsspielraum und er justiert noch einmal die drei dicken Platten, die seine empfindlichen Eingeweide vor einem Bienenstich schützen sollen. Mit einem zufriedenen Grunzen betätigt er den Knopf für das Helmvisier, dann lässt er sich in die Ausstiegsluke gleiten und verlässt den Laderaum. Pia-Pia beobachtet seine Bewegungen über die integrierte Helmkamera. Sie überwacht Little Doves Zustand im winzigen Kommandoraum des Shuttles und leitet das Gesehene an die Besatzung der Mary Read weiter. „Der Vogel ist ausgestiegen.“ meldet sie mit ernster Stimme. „Gut, Pheromone bereithalten.“ antwortet Chara von Bord der Mary Read. „Bestätigt.“ Die Bordtechnikerin ruft Schwarze Mamba im Cockpit. „Wie weit sind wir von der Wolke entfernt?“ „Kontakt in schätzungsweise Acht Minuten.“ „Hast du ein Bild für mich?“ „Klar.“ Der junge Pilot sendet der Technikerin ein Bild der funkelnden Gaswolke. „Wow.“ macht Pia-Pia.

Die kompakten Gaswolken, die sich in den gigantischen Asteroidenfeldern der Weltraum-Schutzzone bilden, stellen die Lebensgrundlage der Unmöglichen Bienen dar. Die, im Weltraum lebenden Insekten sammeln mit einem speziellen Organ die Edelgase aus den Wolken und wandeln sie in einem separaten Gas-Magen zu einem verdaulichen Nahrungsbrei, den sie an die Larven in ihrem Hive verfüttern. Dieser Vorgang ist einzigartig im Universum und trug den Unmöglichen Bienen ihren außergewöhnlichen Namen ein. Zu trauriger Berühmtheit gelangten die scheuen Weltrauminsekten, da sie in den letzten hundert Jahren fast an den Rand der Ausrottung gedrängt wurden. Ein spezielles Sekret, das junge Königinnen während ihres Jungfernfluges absondern, stellt einen begehrten Rohstoff zur Herstellung einer, den Alterungsprozess verzögernden Droge dar. Unzählige Bienenvölker wurden ausgelöscht, um dieses wertvolle Sekret zu ernten. Erst seit die Unmöglichen Bienen von der Planetaren Republik unter strengen Schutz gestellt wurden, erholt sich ihr Bestand langsam. Doch trotz drakonischer Strafen wagen sich immer wieder Gruppen von Raidern in die Schutzzone, um ihr Glück zu versuchen und schnellen Reichtum zu finden.
Jene spezielle Gaswolke, die das kleine Shuttle der Mary Read gerade ansteuert, wurde in den vergangenen Tagen von vielen Arbeiterinnen des Bienenvolkes besucht und ist nun fast abgeerntet. Nur noch vereinzelt fliegen Insekten die rosa glitzernde Wolke an. Schwarze Mamba bringt das Shuttle hinter einem Asteroiden in Position und meldet sich bei Pia-Pia. „Wir sind da.“ „Verstanden.“ Die Bordtechnikerin stellt den Kontakt zu Little Dove her. „Du kannst starten.“ „Bin unterwegs.“ Little Doves Helmkamera zeigt, wie er sich geschickt von einer Halterung am Shuttle löst und die Steuerungsdüsen seines Anzugs aktiviert. Angespannt verfolgt Pia-Pia, wie er sich der Wolke nähert. „Köder ist in Position.“ meldet sie an Schwarze Mamba und die Kommandozentrale. „Ausgezeichnet.“ antwortet Chara in Balquands Namen. „Pheromone freisetzen.“ Die Bordtechnikerin stellt wieder eine Verbindung zu Little Dove her. „Setz die Pheromone frei.“ gibt sie den Befehl weiter. „Okay.“ Little Dove sprüht einen künstlichen Pheromoncocktail in den Weltraum. „Ist erledigt.“ „Verstanden.“
Als sich eine Arbeiterin der Wolke nähert, verständigt Little Dove das Shuttle. „Biene im Anflug. Ich starte Tanzmanöver.“ „Viel Glück.“ antwortet Pia-Pia. Little Dove fliegt in Achterschleifen vor der Wolke und versucht die Arbeiterin durch einen grotesken Tanz auf sich aufmerksam zu machen. Seine Bemühungen sind unnötig, die Biene hat die freigesetzten Pheromone längst wahrgenommen und schießt lautlos durch das All auf ihn zu. „Kontakt! Kontakt!“ schreit Little Dove und fliegt, so schnell er kann, zurück zum Shuttle, die Biene folgt ihm dichtauf. „Verstanden!“ schreit Pia-Pia, die sich von seiner Aufregung anstecken lässt. „Kontakt!“ ruft sie zur Kommandozentrale der Mary Read, dann unterbricht sie die Verbindung, um sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. „ Greifarme raus, Hinterleib fassen, Stachel greifen.“ murmelt sie leise. Hochkonzentriert folgt sie Little Doves Bewegungen. Sie justiert die Greifarme, die am Kopf des kleinen Shuttles befestigt sind und atmet hörbar aus. Als Little Dove in rasantem Tempo um das Shuttle herumfliegt, fasst Pia-Pia entschlossen nach dem Hinterleib des vorbeischießenden Insekts. „Scheiße!“ Die Greifarme haben das Ziel verfehlt. Pia-Pia stellt einen Kontakt zu Little Dove her. „Sie ist zu schnell, ich kann sie nicht greifen, du muss langsamer werden!“ „Bist du verrückt, dann fängt mich das Mistvieh!“ „Wir haben keine andere Möglichkeit!“ Little Dove setzt zu einer engen Kurve an, um die Verfolgungsjagd abzubremsen. Als er erneut an den Greifarmen vorbeifliegt, ist er langsam genug, um den riesigen Schatten seiner Verfolgerin auf der Außenhaut des Shuttles erkennen zu können. Er bremst weiter ab, um die Biene in eine gute Position zu bringen und fliegt ungewisse Sekunden dahin, in denen er nur das hektische Geräusch seinen Atems hört und unbewusst auf einen scharfen Schmerz wartet. „Ja!“ schreit Pia-Pia plötzlich. Little Dove zuckt erschrocken zusammen, er fliegt ein Wendemanöver und kehrt zu den Greifarmen zurück. Das, über drei Meter große Insekt windet sich in der stählernen Umklammerung, sein ausgefahrener Stachel steckt tief in einem sackartigen Auffangbehälter und pumpt Gift. „Die erste Drüse ist fast leer.“ meldet Little Dove. Gebannt beobachtet er den Freiheitskampf der Biene. Das blauschwarz schimmernde Tier stemmt seine kräftigen Vorderbeine gegen die Greifarme und schlägt heftig mit den schillernden Flügeln. Sein Stachel pumpt wild. „Die zweite Drüse ist leer.“ meldet Little Dove nach einer Weile. „Sicher?“ „Ganz sicher.“ bestätigt er. Der Auffangbehälter wird zurückgezogen, ein spezieller Laserarm nähert sich dem fixierten Stachel der gefangenen Arbeiterin. Little Dove hat das unbestimmte Gefühl, dass sie ihn vorwurfsvoll mit ihren riesigen Facettenaugen anstarrt. Beschämt wendet er sich ab, als der Laserstrahl ihren Stachel verödet. Zur Ablenkung sucht er den Weltraum nach anderen Arbeiterinnen ab, die dem Raid gefährlich werden könnten. „Wirkt das Betäubungsmittel?“ fragt Pia-Pia aufgeregt. Little Dove schielt vorsichtig zurück zur Unmöglichen Biene. Das mächtige Insekt bewegt sich nicht mehr, seine Beine treiben schwerelos im Raum. „Das Bienchen ist im Traumland.“ „Ja!“ Pia-Pia springt im Kontrollraum von ihrem Stuhl. „Du bist fantastisch!“ versichert sie sich selbst triumphierend.

„Ganz schön hässlich, das Viech.“
„Selber hässlich, du Hornochse.“
„Musst nicht immer gleich persönlich werden.“
Schwarze Mamba zieht einen beleidigten Schmollmund. Sein jugendliches Gesicht legt sich in tiefe Falten. Pia-Pia ignoriert seine Grimasse und starrt weiter fasziniert auf die Unmögliche Biene, die betäubt und fixiert in einem riesigen Glastank ruht. „Sie ist unfassbar schön.“ flüstert die Technikerin andächtig. „Sind die Kollektoren bereit?“ fragt Kapitän Balquand aus dem Hintergrund. Er hält Abstand zum Tank und behält das betäubte Insekt genau im Auge. „Jawohl, Kapitän.“ bestätigt Chara, die einige Werte auf einer Konsole überprüft. „Gut. Wecken Sie sie auf.“ Ein schriller Warnton erklingt und Nebel flutet mit lautem Zischen den Glastank. „Ganz toll, jetzt können wir nichts mehr sehen.“ ätzt Schwarze Mamba. „Mach den Kopf zu.“ zischt Pia-Pia. Im Glastank zuckt die Biene mit den Flügeln. Die Prozedur, die nun folgt ist grausam und wird auf allen Planeten der Republik geächtet. Die gefangene Biene wird mit starken Stromstößen traktiert, um eine chemische Reaktion in ihrem Körper auszulösen. Das gepeinigte Tier produziert ein starkes Pheromon, das ihre Schwestern aus dem Hive auffordert, ihren verletzten Körper zu bergen. Der Duftstoff ist um ein vielfaches reiner als das künstliche Pheromon, das Little Dove bei der Entführung der Biene eingesetzt hat und seine Zusammensetzung entspricht exakt der Geruchsbotschaft des Hives. Die Stromstöße lösen auch den Stichreflex der Biene aus, die jedoch kein Gift mehr durch ihren versiegelten Stachel entlassen kann. In der Folge schwellen ihre immer produzierenden Giftdrüsen stark an und entleeren sich schließlich in das Körperinnere, woraufhin das Insekt qualvoll verendet. „Das ist ja fürchterlich.“ kommentiert Little Dove den langen Todeskampf der Biene. „Es ist nötig.“ bemerkt der Kapitän pragmatisch und Chara nickt bestätigend. Erst als der Kadaver vernichtet werden soll, wendet sich Balquand wieder an seine Besatzung. „Ihr habt heute gute Arbeit geleistet. Dieser Raid war ein wichtiger Teilerfolg für unsere Unternehmung. Doch es liegt noch ein langer Weg vor uns, also vergesst nicht, warum wir hier sind.“ Balquand gibt den Befehl zur Vernichtung und starrt unbewegt in die lodernden Flammen, die den toten Bienenkörper verzehren.

„Sind die Pheromonduschen bereit?“
„Ja, Kapitän.“
„Gut. Wie sieht es bei Ihnen aus, Mamba?“
„Bereit, Kapitän.“
„Ausgezeichnet, mein Junge. Wir legen los.“
Schwarze Mamba starrt konzentriert auf den großen Navigationsmonitor. Seine Hände liegen locker auf dem Steuerknüppel und nur einem aufmerksamen Beobachter könnte auffallen, dass sie ein klein wenig zittern. „Ganz langsam.“ befielt der Kapitän, der sich auf dem Kommandostuhl nach vorn gebeugt hat und jeder Bewegung des jungen Piloten folgt. „Arbeiterinnen gesichtet.“ meldet Weber von seinem Beobachtungsposten. „Pheromone freisetzen.“ „Verstanden, Kapitän.“ Chara gibt die Anweisung an Pia-Pia im Maschinenraum weiter. Kleine Düsen, die an der Außenhaut der Mary Read installiert sind, verteilen den duftenden Hilferuf der toten Arbeiterin im Weltraum. Es dauert nur wenige Minuten und aus einer Gaswolke lösen sich sechs Arbeiterinnen. Auf den Monitoren kann man beobachten, wie schnell die Bienen dem Raumschiff näher kommen. „Vorsichtig jetzt.“ mahnt Balquand. Schwarze Mamba beginnt ein kompliziertes Flugmanöver. Der Tanz, den er den näher kommenden Insekten präsentiert, muss perfekt sein, damit sie die Mary Read als eine verletzte Schwester des Hives anerkennen. „Kontakt.“ meldet Chara. Die sechs Unmöglichen Bienen fliegen in immer enger werdenden Kreisen um das tanzende Raumschiff herum. Es scheint ihnen schwerzufallen, das riesige Objekt als eine Schwester zu akzeptieren, obwohl es riecht und sich bewegt, als ob es zu ihnen gehörte. „Noch mehr Pheromone.“ befielt Balquand. „Kapitän, wenn wir es mit den Pheromonen übertreiben, könnten wir einen Schutzreflex auslösen. Wenn die Gefahrenquelle zu groß ist, opfern sich die Bienen für das Wohl des Volkes, die Arbeiterinnen könnten uns zurücklassen. Ich rate dringend davon ab, mehr Duftstoffe freizusetzen.“ Chara hat sehr schnell gesprochen, sie sieht Balquand eindringlich an. Der Kapitän nickt verstehend. „Befehl zurückgezogen.“ „Ich glaube, sie haben den Köder geschluckt.“ meldet Weber plötzlich aufgeregt. Die Bilder auf seinem Beobachtungsmonitor zeigen, wie die Arbeiterinnen auf dem Raumschiff landen und mit langen Zungen dessen Oberfläche ablecken. „Was, zum Teufel, machen die da?“ fragt Schwarze Mamba irritiert, während er weiterhin die Tanzmanöver ausführt. „Sie leisten Erste Hilfe. Bei einer echten Arbeiterin würde der Speichel schmerzstillend wirken und die Wundheilung aktivieren.“ erklärt Chara mit gereiztem Unterton in der Stimme. „Hast du bei der Schulung gepennt?“ setzt sie spitz hinzu. „Ich bin Pilot, kein verdammter Biologe.“ hält Schwarze Mamba dagegen. „Konzentration. Bitte.“ fährt Kapitän Balquand mahnend dazwischen. Eine unangenehme Stille breitet sich auf der Brücke aus, in der man das Kratzen von Insektenbeinen an der Außenhülle hören kann. Nach einigen Minuten läuft ein Ruck durch das Raumschiff, die Bienen umklammern Teile des Schiffes und schlagen kräftig mit den Flügeln. „Wir können das Tanzmanöver jetzt beenden.“ sagt Chara. „Bestätige.“ brummt Balquand. Schwarze Mamba seufzt erleichtert und lässt das Steuer los. Die Arbeiterinnen beginnen damit, die Mary Read in Richtung Hive zu schleppen. „Helfen Sie ein wenig mit, Pilot. Sonst kommen wir nie an.“ „Jawohl, Kapitän. Aktiviere Antrieb.“ „Schön langsam, mein Junge.“ Erneut legt sich eine tiefe Stille über die Kommandozentrale. „Wächterin im Anflug.“ meldet Weber, doch niemand antwortet ihm. Alle starren gebannt auf die Monitore und das mächtige Insekt, das auf die Mary Read zusteuert. „Unfassbar.“ haucht Weber, dessen Haut ganz durchsichtig geworden ist. Die Wächterin, die sich mit hoher Geschwindigkeit dem Raumschiff nähert, ist deutlich größer als ihre Arbeiterinnen-Schwestern. Das gewaltige, nachtschwarze Tier verfügt über kräftige Beißwerkzeuge und massive, dolchartige Fortsätze an den starken Vorderbeinen. „Ihr Stachel könnte durch die Außenhaut des Schiffes dringen, wie durch Butter.“ flüstert Chara. „Danke für die Information.“ Schwarze Mamba versucht ätzend zu klingen, doch seine Stimme überschlägt sich kläglich. „Langsam jetzt.“ „Ja, Kapitän.“ Der junge Pilot drosselt die Geschwindigkeit und starrt gebannt auf seinen Navigationsmonitor. „Kontakt.“ melden Chara und Weber gleichzeitig. Die Monitore zeigen, wie die Wächterin in einem engen Bogen um das Raumschiff und die Arbeiterinnen fliegt und dann direkt auf die Sendeplattform der Mary Read zusteuert. „Nimmt sie irgendwelche Signale wahr? Senden wir etwas?“ fragt Kapitän Balquand angespannt. „Nichts, Kapitän.“ versichert Weber. Das Raumschiff erzittert, als die gewaltige Biene landet. „Oh Scheiße, oh Scheiße, oh Scheiße.“ flüstert Schwarze Mamba. „Ganz ruhig, Pilot. Chara, informieren Sie Little Dove. Er soll eine Fette Judy bereitmachen. Nur für den Notfall.“ „Jawohl, Kapitän.“ Chara stellt eine Verbindung zum Waffenraum her. „Was treibt das Viech da draußen?“ fragt Schwarze Mamba. Er klingt immer noch nervös. „Ich habe keine Ahnung.“ haucht Weber, der die Wächterin nicht aus den Augen gelassen hat. Das Insekt läuft mit pendelnden Kopfbewegungen um die Sendeplattform herum. „Sie prüft unseren Geschmack. Wenn die Pheromone richtig abgestimmt sind, wird sie uns markieren und andere Arbeiterinnen rufen, die uns in den Hive bringen.“ erklärt Chara. „Da passiert etwas!“ meldet Weber aufgeregt und deutet auf den Bildschirm. Die Wächterin versprüht ein weißliches Sekret über die Sendeplattform. Dann hebt sie gemächlich ab und fliegt, in Begleitung der sechs Arbeiterinnen, zurück zum Hive. „Fallen freisetzen.“ zischt Balquand mit rauer Stimme. Chara gibt seinen Befehl an die Bordtechnikerin weiter. „Fallen freigesetzt.“ meldet Pia-Pia nach wenigen Sekunden. Dutzende Flugkörper starten aus dem Bauch des Raumschiffes und verteilen sich im Weltraum. Die fliegenden Insektenfallen wurden mit dem Pheromon des Hives besprüht und sind mit einer einfachen KI ausgestattet, die es den Maschinen erlaubt, selbstständig ein Ausflugsloch des Hives anzusteuern, eine Jungkönigin einzufangen und zurück zum Schiff zu bringen. „Die Fallen sind unterwegs.“ berichtet Chara dem Kapitän. „Ausgezeichnet.“ „Arbeiterinnen im Anflug!“ Weber hat wieder etwas Farbe im Gesicht, seine Wangen leuchten in einem matten Hellblau und verleihen ihm ein geisterhaftes Aussehen. „Bei allen Göttern.“ seufzt Chara erleichtert.
Angespannte Minuten vergehen, in denen die Unmöglichen Bienen das Schiff umkreisen und seine Außenhaut belecken, um es dann endlich weiter zum Hive zu schleppen. Als die Arbeiterinnen das Raumschiff in einen schmalen Eingang ziehen, geht ein Raunen durch die Kommandozentrale der Mary Read. Der Anblick einer einzelnen Wächterin kann einem mutigen Mann gewaltige Furcht einflößen, wenn sich aber dreißig dieser Kampf-Bienen an den Wänden eines engen Durchlasses tummeln, gibt es keine Begriffe mehr um die Angst in Worte zu fassen, die ein jedes Wesen ergreift, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Ein tiefes Summen erfüllt die Brücke, das Geräusch ist allgegenwärtig und baut sich immer mehr auf. „Es geht los. Wir brauchen jetzt die Ohrschützer.“ wendet sich Chara an den Kapitän. Balquand bestätigt ihre Anweisung. Mannschaft und Sklaven legen Gehörschützer an. „Teste Sprechfunk.“ verkündet Chara durch das eingebaute Mikrofon. Die Besatzungsmitglieder bestätigen ihre Testmeldung. „Sprechfunk stabil.“ meldet Chara dem Kapitän. Balquand nickt zufrieden.

„Das ist einfach widerlich.“ Schwarze Mamba sitzt stocksteif im Pilotensessel und starrt angeekelt auf seinen Monitor. Das Bild zeigt eine dichte Masse von Bienen, die kreuz und quer in den Gängen des Hives und auf der Mary Read herumkrabbeln. „Ich finde es grandios.“ versetzt Weber, der fasziniert auf seinen Monitor starrt. „Sei es, wie es ist. Wir müssen weiter.“ Kapitän Balquand hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf. „Chara, lotsen Sie uns jetzt zur Königinnenkammer.“ „Verstanden, Kapitän.“ Die Wegweiserin verlässt ihren Posten und nimmt einen Platz neben dem Pilotensessel ein. Mit ruhiger Stimme dirigiert sie Schwarze Mamba durch die gewundenen Gänge des Hives. „Du machst das ganz prima.“ lobt sie den Teenager, um seine Nervosität zu mildern. „Ja, ja. Ich weiß, ich weiß.“ wiegelt Schwarze Mamba gereizt ab. Die Konzentration steht im ins sommersprossige Gesicht geschrieben. Unbewusst nimmt er eine Hand vom Steuer und greift nach seinem Gehörschutz, um sich darunter zu kratzen. Chara hindert ihn sanft daran. „Wenn du die Dinger jetzt von den Ohren nimmst, bist du in weniger als drei Sekunden paralysiert. Fünf Sekunden später explodiert dein Gehirn. Das ist kein Witz.“ „Entschuldigung.“ murmelt Schwarze Mamba kleinlaut. „Geschätzte Ankunftszeit in der Königinnenkammer?“ fragt Balquand drängend. „Wir haben soeben die Futterspeicher passiert.“ überlegt Chara laut. „Wir müssen durch die Larvenkammern und an den Brutlagern vorbei, dann sind wir durch. Maximal dreißig Minuten.“ „Wann werden wir die Königin spüren?“ Chara dreht sich zum Kapitän um und fängt seinen besorgten Blick auf. „Ich kann nur eine Schätzung abgeben. Aber ich denke, spätestens ab den Brutlagern werden wir sie wahrnehmen können. Sensible Personen schon früher.“ „In Ordnung. Fahren Sie fort.“
Im Waffenraum der Mary Read lehnt Little Dove an dem scharfen Torpedo, das er für den Notfall einsatzbereit gemacht hat. Mit einem entrückten Lächeln auf seinem breiten Gesicht schmiegt er sich an das blanke Metall des Torpedos, seine Nebenarme massieren zärtlich die Schultern seiner Hauptarme und streicheln wohltuend über seinen verspannten Stiernacken. Little Dove weiß es nicht, doch die beinah schmerzhafte Zuneigung, die er für sich und seine Umgebung empfindet, ist ein Signal, das von der Königin ausgesandt wird. Je näher die Mary Read der Königinnenkammer kommt, desto stärker wird das Signal der unbändigen Liebe, das die Bienenkönigin für ihre Töchter aussendet.

„Wir fliegen in die Brutanlagen ein.“ meldet Weber, sanfte Pastelltöne pulsieren über sein dümmliche lächelndes Gesicht. „Verstanden, mein Lieber.“ Die Stimme des Kapitäns klingt seidenweich. „Das Signal der Königin, könnt ihr es fühlen?“ fragt Chara mit verträumter Stimme. „Ich weiß nicht genau.“ flüstert Schwarze Mamba, in dessen Augen Tränen glitzern. Chara versucht sich aus der melancholisch süßen Lethargie zu reißen, die schleichend von ihr Besitz ergreift. „Ihr Signal ist außergewöhnlich stark. Es könnte zu schweren Konzentrationsstörungen, Halluzinationen und Verhaltensänderungen kommen. Wir müssen das Störsignal verstärken.“ „Einverstanden.“ murmelt Balquand. „Wir müssen sie sofort töten, wenn wir in der Kammer sind. Dann ist dieses Zauberstück ganz schnell vorbei.“ Der Kapitän nickt geistesabwesend. „Brücke ruft Bordtechnik, ist alles in Ordnung bei dir?“ „Alles wundervoll.“ antwortet Pia-Pia, ihre Stimme klingt merkwürdig hohl. „Wundervoll.“ echot Chara und weiß nicht genau, warum sie der Technikerin nicht glaubt. „Setze Störsignal auf Maximum.“ ist alles, was sie zu sagen weiß. „Verstanden.“ antwortet Pia-Pia monoton und beendet die Verbindung. Eine bleischwere Traurigkeit hat vom Herzen der jungen Frau Besitz ergriffen, trübsinnig starrt sie auf die blinkenden Anzeigen, ohne sie wahrzunehmen. Pia-Pia hebt die rechte Hand, um den Regler für das Störsignal zu justieren, runzelt dann unwillig die Stirn und lässt sie wieder sinken.
„Brücke ruft Waffenraum, sind die Harpunen bereit?“ Durch die Funkverbindung dringt leiser Gesang an Charas Ohren. „Waffenraum, hörst du mich? Melde dich, kleines Täubchen.“ Chara lauscht angestrengt durch die Kopfhörer, doch nur der leise Gesang antwortet ihr. „Ich habe den Kontakt zum Waffenraum verloren.“ meldet sie dem Kapitän. Balquand schreckt aus seinen Gedanken hoch und sieht sich kurz verwirrt in der Kommandozentrale um. „Weber, sehen Sie bitte nach, was da los ist.“ Der Kapitän schenkt seinem Concierge ein huldvolles Lächeln. „Mit Vergnügen, Ehrenwerter.“ Weber verlässt die Kommandozentrale mit schwingenden Armen. Auf dem Weg zum Waffenraum beginnt er eine kleine Melodie zu summen.

„Ist das die Königin?“ Die Stimme des Piloten klingt aus weiter Entfernung an Charas Ohren. Mühsam wendet sie ihren Blick vom Kapitän ab, der still in seinem Kommandostuhl sitzt und grübelt. Es dauert lange, bis ihre Zunge die Frage formulieren kann, die durch ihr Gehirn geistert. „Wie bitte?“ Chara kann den Drang nur schwer unterdrücken, die verlockend glänzende Halbglatze des Kapitäns zu streicheln. Mit einem bedauernden Seufzen hält sie sich auf ihrem Stuhl zurück. „Ich weiß nicht, habe ich etwas gesagt?“ fragt Schwarze Mamba nach längerem Überlegen. Seine Augen blinzeln träge, er kann nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken. „Ihr redet beide. Andauernd.“ knurrt Balquand. Chara versucht sich auf einen der Monitore zu konzentrieren. „Wir sind da!“ bringt sie schließlich hervor. Der Bildschirm zeigt einen enormen, sechseckigen Raum, über dessen Wände unzählige Arbeiterinnen kriechen. Die Königinnenkammer scheint wie ein Herz zu pochen, doch es sind die rhythmisch schlagenden Flügel der Bienen, die diesen Effekt hervorrufen. Im Zentrum der Kammer ruht die riesige Königin, die hingebungsvoll von den Arbeiterinnen umhegt und gefüttert wird. Ihr massiver Körper glänzt golden zwischen den dunklen Leibern ihrer Arbeiterinnen hervor. „Ich möchte sie berühren.“ flüstert Schwarze Mamba sehnsüchtig. „Ich auch.“ flüstert Chara zurück. Ein schmerzvolles Gefühl der Liebe zieht sie zu der Königin hin. „Wir sollten landen.“ schlägt der junge Pilot vor. Die Wegweiserin und der Kapitän nicken verträumt.
Im Waffenraum liegen sich Little Dove und Weber zärtlich in den Armen. Sie haben in den letzten Minuten Teile des Torpedos zerlegt und eine kleine Bienenkönigin aus Metall und Draht gebastelt. Dass sie dabei den sensiblen Sprengkopf der gefährlichen Waffe freigelegt haben, interessiert die beiden nicht. Little Dove summt eine einfache Melodie und streichelt liebevoll über Webers pastellfarbenes Gesicht. Der Concierge summt ein völlig anderes Liedchen und schmiegt sich an die mächtige Brust des Hühnen. Dass ihre Lieder im selben Rhythmus erklingen, in dem die Bienenflügel in der Königinnenkammer schwingen, wissen sie nicht.
„Du kannst nicht aussteigen.“ Charas Stimme klingt erschöpft. Ohne erkennbare Körperspannung lehnt sie in der Tür und versperrt Schwarze Mamba den Weg von der Brücke. „Natürlich kann ich.“ erwidert der junge Pilot drängend. „Sie braucht mich.“ „Wenn du aussteigst, stirbst du.“ hält Chara matt dagegen. „Kapitän, sie will mich nicht gehen lassen!“ raunzt Schwarze Mamba. Kapitän Balquand schreckt erneut aus seinen Gedanken hoch. „Bitte?“ „Sie will mich nicht gehen lassen!“ quengelt der Teenager gereizt. „Lassen Sie ihn gehen, Wegweiserin.“ Der Kapitän winkt ungeduldig mit der Hand. „Aber dann stirbt er.“ Chara lehnt weiterhin schlaff in der Tür. „Der Gehörschutz wird ihm nicht helfen, Kapitän.“ „Wenn er doch sterben möchte.“ Balquand zuckt gleichgültig mit den Achseln. „Lassen Sie mich endlich in Ruhe. Ich muss nachdenken.“ Schwarze Mamba schnaubt triumphierend. Er drückt sich unsanft an der hageren Wegweiserin vorbei und läuft los. „Der Gehörschutz wird dir da draußen nicht helfen!“ ruft Chara ihm nach. Fluchend taumelt sie hinter ihm her, bleibt schließlich atemlos stehen, will nur etwas Luft holen, blinzelt – und versucht sich zu erinnern, warum sie sich in diesem Gang befindet. Wollte sie auf die Brücke gehen, oder wollte sie die Sektion verlassen? Chara gerät ins Grübeln. Nachdenklich bleibt sie stehen, es fällt ihr schwer, die Gedanken hinter ihrer Stirn zu fokussieren. Plötzlich kommt ihr Balquands spiegelnde Halbglatze wieder in den Sinn. „Brücke.“ sagt sie erleichtert und kehrt in die Kommandozentrale zurück.
Schwarze Mamba läuft mit einem Gefühl der äußersten Erregung den langen Gang hinunter. Er ist auf dem Weg zur nächstgelegenen Andockschleuse, um das Raumschiff zu verlassen. An seinen Raumanzug denkt er nicht, denn seine Gedanken sind ganz bei der Königin. Wie in Trance öffnet er die Innentür der Schleuse, lächelnd klettert er hinein. Erst als die Dekompression einsetzt, wird er sich seines tödlichen Fehlers bewusst. Zwar herrscht in der Königinnenkammer kein Vakuum wie im Weltraum, doch die Lebensbedingungen, unter denen die Bienen gedeihen, entsprechen nicht im entferntesten den Anforderungen, die ein empfindlicher Organismus wie der menschliche Körper an seine Umwelt stellt. Leider hat Schwarze Mamba keine Chance mehr, diese wichtige Lektion zu verinnerlichen.
Im Maschinenraum der Mary Read hockt Pia-Pia unter einer Konsole und weint bittere Tränen. Die Bordsklaven, die sich mit ihr im Maschinenraum aufhalten, stehen mit ratlosen Gesichtern um die Konsole herum. Auch sie fühlen die intensiven Signale der Königin, obwohl sie lobotomisiert sind. Pia-Pia bemerkt ihre Verwirrung nicht, sie windet sich im selbstverzehrenden Schmerz einer undefinierbaren Sehnsucht und ist Blind und Taub für das, was um sie herum geschieht. In einem Akt der Verzweiflung rauft sie sich die Haare und reißt dabei den Gehörschutz von ihren Ohren. Wenige Sekunden später verliert sie die Besinnung, kurz darauf spritzt helles Blut aus ihrer Nase, ihren Augen und den Ohren. Ihr Mund formt ein betroffenes O. Ein schmächtiger Sklave betrachtet angestrengt ihre blutüberströmte Leiche unter der Konsole. Nach einer Weile hebt er den geschorenen Kopf, sieht die anderen Sklaven an, blickt zur Decke, blickt wieder zur toten Bordtechnikerin und beginnt zu weinen. Dann zieht er sich mit einer bedächtigen Bewegung den Gehörschutz vom Kopf, blinzelt und bricht zusammen. Die anderen Sklaven sehen regungslos dabei zu, wie seine Augen aus dem Kopf geschleudert werden, als sein Gehirn mit großem Druck explodiert. Wie auf ein geheimes Zeichen hin, nehmen sie alle den Gehörschutz ab.

Stunden vergehen, in denen die Mary Read Führerlos in der Königinnenkammer liegt. Das gestrandete Raumschiff wird von den meisten Arbeiterinnen ignoriert, die einfach über das Hindernis hinweg zur Königin krabbeln. Manche Bienen halten an und versuchen Nahrungsbrei in eine der Öffnungen des Schiffsantriebs zu pumpen. Da die vermeintliche Fütterung misslingt, brechen sie den Versuch nach einiger Zeit wieder ab. Trocknender Brei verstopft so langsam alle Düsen des Schiffes und der Sekundärantrieb, der für die Energieversorgung an Bord der Mary Read essentiell ist, beginnt zu überhitzen. Im Inneren des Schiffes nimmt niemand Notiz davon. Im Waffenraum bauen Weber und Little Dove dutzende Torpedos auseinander, um aus den Teilen einen Hive zu errichten, in dem ihre selbstgebastelte Bienenkönigin wohnen kann. Little Dove dreht kleine Arbeiterinnen aus Draht, während Weber die Kammer für die Königin konstruiert. Seine Gesichtsfarbe wechselt rasend schnell, dunkle und goldene Streifen pulsieren über seine verschwitzte Stirn. Die beiden Männer sind sich in keinem Moment der Absurdität ihrer Handlung bewusst. Nur selten unterbrechen sie die sinnlose Arbeit, um innige Küsse auszutauschen.
Auf der Brücke ist Kapitän Balquand tief in seiner Gedankenwelt versunken. Regungslos sitzt er im Kommandostuhl und starrt vor sich hin, ohne zu blinzeln. Chara steht hinter ihm und streichelt rhythmisch über seine blanke Halbglatze. Sie tut dies seit Stunden, die Haut auf Balquands Kopf ist von der ständigen Berührung stark gerötet. Er nimmt es nicht zur Kenntnis. Tote Sklaven liegen auf der Brücke, in den Gängen, in den Quartieren. Der Massenselbstmord der Unfreien hat sich wie eine Springflut fortgesetzt, kein Sklave lebt mehr auf der gestrandeten Mary Read. Die vier Besatzungsmitglieder, die noch auf dem Raumschiff verbleiben, sind ebenfalls tot. Sie wissen es nur noch nicht. Als der Sekundärantrieb der Mary Read versagt und die Systeme des Schiffes nacheinander herunterfahren, reißt plötzlich ein scharfer Blitz die Königinnenkammer und Teile des Hives in Stücke. Detonierende Torpedos zerfetzen hunderte Insekten und hinterlassen ein klaffendes Loch, aus dem sterbende Bienen in den Weltraum taumeln.

© sybille lengauer

Uferschwalben

Veröffentlicht: Juni 11, 2019 in Gedichte
Schlagwörter:, ,

Uferschwalben
(Ein kleines Liedchen)

Neulich,
Als mich,
Die Uferschwalbe küsste,
Verlor ich mich,
Verlor ich mich,
Im Sommerduft,
Der Ewigkeit.
Neulich,
Als ich,
Ihren hellen Schrei vermisste,
Verlor ich sie,
Verlor ich sie,
Im Irrsinn,
Unsrer neuen Zeit.

© sybille lengauer

Schulstunde. Jetzt.

Veröffentlicht: Juni 8, 2019 in Gedichte
Schlagwörter:

Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie leise es scheint.
Ob geflüstert, gewispert.
Gemurmelt, geweint.
Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie freundlich es scheint.
Ob gebeten, gebettelt.
Gelächelt, geweint.
Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie lustig es scheint.
Ob gekichert, gegiggelt.
Gegackert, geweint.
Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie hilflos es scheint.
Ob gezittert, gehaspelt,
geschrien, geweint.
Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie seltsam es scheint.
Ob gesungen, geschrieben.
Getänzelt, geweint.

Ein Nein ist ein Nein!
Egal wie es dir erscheint.
Ein Nein ist ein Nein!
Und es ist ernst gemeint.

© sybille lengauer