10 von Zehn

Veröffentlicht: Januar 11, 2022 in Neuigkeiten
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Liebe Lesende, ich wurde von Fabian Lenthe, stellvertretend für Rodneys Underground Press, mit 10 Fragen bedacht und habe hier die Antworten für euch parat. Viel Vergnügen und all das. Eure Sy.

RUP//10VONZEHN präsentiert seine Autor:innen, stellt ihnen zehn Fragen über alles und nichts, und drei Gedichte aus ihren aktuellen Werken vor. Sybille Lengauer, geb. 1980 in Linz/Österreich, schreibt Gedichte und Kurzgeschichten. Sie hat in einer Vielzahl von Literaturmagazinen und Anthologien veröffentlicht und bereits mehrere eigene Publikationen, darunter Gedichtbände und Kurzgeschichten. Ihre letzten beiden bei RUP erschienenen Werke tragen die Titel „Mottengedanken“(2020), und „Ziemlich schlechte Nachrichten“(2021). Wie immer erhältlich auf: www.undergroundpress.de

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ACHTUNG: Da wir heute einen Auszug aus der Kurzgeschichte „Heinrich“, aus dem Band „Ziemlich schlechte Nachrichten“, zeigen, steht dieser am Ende des Interviews zum Lesen bereit. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

RUP//10VONZEHN INTERVIEW

1.Erinnerst du dich daran, weshalb du zu schreiben begonnen hast?

Als Kind war ich zu groß, zu wild, zu dreckig und zu laut (für ein Mädchen), habe mich oft gefühlt wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. In meinen Gedichten & Geschichten konnte ich ausdrücken was unter der Elefantenhaut lag.

2.Was treibt dich zum nächsten Satz?

Manchmal das reine Kopfchaos, das raus will. Manchmal läuft aber auch „der Film“ und ich muss schreiben, bis die betreffende Geschichte fertig erzählt ist.

3.Könntest du dir vorstellen mit dem Schreiben aufzuhören, und was würdest du stattdessen tun?

Schwierig-schwierig. Ohne kreatives Ventil werde ich schnell ungemütlich, da müsste also Ersatz her – wird Art Brut eigentlich heutzutage noch ausgestellt?

4.“Write drunk, edit sober“ ?

Hat das schon mal jemand andersherum probiert?

5.Wie schätzt du die Lage und Bedeutung der Lyrik (Literatur) heute ein, und was müsste sich, falls nötig, verändern?

Die Lyrik ist tot, lang lebe die Lyrik. Verändern muss sich maximal die Grundeinstellung, Lyrik ist überall und nicht nur zwischen Buchdeckeln zu finden.

6.Was denkst du über den Literaturbetrieb im Allgemeinen?

Was denkt ein Seestern über den Ozean im Allgemeinen?

7.Nenne drei Schriftsteller:innen/ Dichter:innen, die auf deutsch schreiben, und die du uneingeschränkt empfehlen würdest.

Michael Ende, Blixa Bargeld, Michael Schweßinger

8.Verfolgst du Ziele mit deiner Literatur, und wenn ja, welche?

Unbequeme Themen aufgreifen und den Lesenden mal sanft, mal mit Gewalt auf’s Auge drücken.

9.Gib einen Schreibtipp.

Lerne mit Kritik umzugehen.

10.Inselfrage!

3 Bücher:

-Fauna und Flora der Insel

-Geschichte der Insel (war sie früher ein Piratenstützpunkt und wenn ja, sind vielleicht noch irgendwo Schätze vergraben?)

-Ich wette auf einer einsamen Insel kann man die Sterne gut beobachten, also ein entsprechendes Buch über Sternbilder und Phänomene, die im dortigen Himmel zu erwarten sind

.3 Filme:

Ich fahre doch nicht auf eine einsame Insel, um mir Filme anzusehen, die ich auch prima zuhause gucken kann. Ich bin auf der Suche nach dem Piratenschatz!

3 Platten:

Ich würde mir selbstverständlich einen Mix mitnehmen. Wahrscheinlich den Soundtrack zum Spiel „Life is Strange“, dazu noch ein bisschen Hüpftanz-Musik und für die Nacht etwas von den Einstürzenden Neubauten.

Danke, Sybille!

Danke Fabian!

Heinrich, der DetekivWenn du den Leuten erzählst, dass du von Beruf Barkeeper bist, denken die meisten sofort du würdest nur nächtelang hinter irgendeinem schummrig beleuchteten Tresen lehnen, gelegentlich ein wenig Alkohol ausschenken und endlos Gläser polieren. Sie stellen sich vor, deine Hauptaufgabe bestünde darin besoffenen Vollversagern zuzuhören, die ihr Herz ausschütten und ihr Bewusstsein zuschütten wollen und ihnen das Geld mit überteuerten Cocktails aus der Tasche zu ziehen. Irgendwie kommt ihnen nie in den Sinn, dass der Beruf des Barkeepers ein echter Knochenjob ist: die langen, langen Nachtschichten im Stehen (hast du schon mal einen Barkeeper gesehen, der sich während der Arbeit hingesetzt hat?), die Dauerbelastung durch denn gottverdammten Lärm und der anhaltende Stress (hast du schon mal einen Landfrauen-Kegelverein zu Gast gehabt, während gleichzeitig zwei Junggesellenabschiede und eine Geburtstagsfeier stattfinden?), früher kam noch der Rauch von hunderten Zigaretten hinzu, dafür bläst dir heutzutage ständig irgendeine blöde Klimaanlage den Nacken steif – all das erträgst du mit einem Lächeln im Gesicht und einem flotten Spruch auf den Lippen, denn ein schlecht gelaunter Barkeeper macht kein Geschäft und ist bald ein arbeitsloser Barkeeper. Von der seelischen Belastung dieser gute-Laune-Diktatur, von den Bandscheibenvorfällen und entzündeten Gelenken, den Krampfadern und chronischen Hämorrhoiden will ich gar nicht erst anfangen, doch all das sehen die Leute nicht, wenn du ihnen erzählst, dass du Barkeeper bist, sie sehen nur ein Klischee, das sich in ihren Köpfen festgesetzt hat und das genügt ihnen schon. Aber vielleicht muss das ja so sein, vielleicht sehen wir ständig nur die Klischees der Begriffe, ohne sie jemals wirklich wahrzunehmen, sehen immer nur die fadenscheinige Kulisse, ohne dahinter schauen zu wollen. Darum halten wir anzugtragende Bankiers für schlau und kopftuchtragende Putzfrauen für dumm und Barkeeper eben für so etwas wie das Inventar einer Bar, ein mobiler Getränkespender mit Puls, gesichtslos und zur erleichterten Handhabung mit einem Namensschild versehen, auf dem nur der Vorname steht: ‚Es bedient Sie Roberto‘ und alles wird gut. Und vielleicht ist es richtig, sich nicht allzu sehr für sein Gegenüber zu interessieren, da wir ja allesamt, ganz nach Klischee, unser Päckchen zu tragen haben und wo kämen wir da hin, wenn sich jeder ständig für die Lebenszustände des anderen interessieren und sogar noch verantwortlich fühlen müsste? Wir würden aufgerieben werden und schließlich den Verstand verlieren, so wie diese armen Irren, die sich die Schädel kahlrasieren und auf der Straße Umarmungen für Krishna verteilen oder was weiß ich – oder wir würden Tag und Nacht Tränen vergießen ob der schieren Ungerechtigkeit der Welt und unseres Lebens nicht mehr froh…

Kommentare
  1. Rene Martini sagt:

    Interessante Autorenauswahl! Wobei, nix österreichisches!

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