Archiv für Juli, 2022

Kleine Veränderung…

Veröffentlicht: Juli 27, 2022 in Gefasel
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…große Wirkung. Ich hab’s ein wenig korrigiert:

Gratis-Postkarte aus einem Restaurant – geringfügig verbessert

Endlich ist es wieder soweit, am 19/August/2022 findet wieder ein Luftruinen-Festival statt! Es wird ordentlich stoßgelüftet und frischer Wind für kulturelle Vielfalt und gegen Rassismus verbreitet. Musik, Literatur, alles was das Herz begehrt und ich kann es gar nicht erwarten, euch meine neuen Texte um die Ohren zu hauen – es wird fleißig geübt! 🙂 Also, kommt reichlich ins B-Side Münster, wir freuen uns auf euch.

Konsum (Mein Blut für Öl)

Veröffentlicht: Juli 16, 2022 in Gedichte
Schlagwörter:, ,

Konsum (Mein Blut für Öl)
Sprechgedicht

Komm, lass uns kaufen was der Markt uns bieten kann,
Komm, Kleines, lass uns online-shoppen,
Bis das Konto nicht mehr kann und dann,
Verschulden wir uns etwas mehr,
Wir konsumier’n die Meere leer,
Das Artensterben ist egal,
Mein Blut für Öl, verdammtnochmal!
*
Ich will alles haben, will mein Stück von all den Gaben,
All den geilen Sachen, die laut Werbung Freude machen,
Ich will alles haben, was den Tiger in mir weckt,
All die schönen Blinge-Blinge-Dinge,
Die das Web mir in die Schnauze steckt:
Ja heute borg’ ich, morgen schnorr’ ich,
Übermorgen lease ich das Königskind,
Denn steht nicht auch schon in der Bibel:
Dass wir Gottes Kunden sind?
Und jetzt alle!
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen.
Mein Blut für Öl!
*
Komm, lass uns kaufen was der Markt uns bieten kann,
Komm, Kleiner, lass uns online-shoppen,
Bis das Sparschwein nicht mehr kann und dann,
Verjubeln wir noch etwas mehr,
Mein Freund, ich räum’ die Wälder leer,
Die Artenvielfalt kann mich mal,
Ist doch längst alles scheißegal.
*
Die schönsten Güter sollst du haben, dich an all dem Guten laben,
All den geilen Sachen, die laut Werbung Freude machen,
Du willst alles haben, was den Sieger in dir weckt?
Dann hol’ dir all die schönen Blinge-Dinge,
Die das Web dir in die Schnauze steckt:
Du baust das Schloss, du pflanzt den Baum und finanzierst dir jeden Traum,
Es protzt dein Heim von Tor zu Giebel,
Steht nicht auch schon in der Bibel:
Hast du was, dann bist du wer,
(Das Silberkettchen macht was her!)
Singt alle mit!
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Dein Blut für Öl!
*
Komm, lass uns kaufen was der Markt uns bieten kann,
Hey Baby, lass uns kaufen-kaufen,
Bis die Erde nicht mehr kann und dann,
Bestellen wir noch etwas mehr,
Wir ramschen den Planeten leer und dann noch etwas,
Mehr und mehr und mehr und mehr und mehr und mehr!
Die Kontinente laufen heiß,
Ist mir egal, ich kauf’ den Scheiß.
Mein Blut für Öl! Und einer geht noch!
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen, kaufen,
Und aus.

© sybille lengauer

Einsamkeit

Veröffentlicht: Juli 14, 2022 in Gefasel
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Einsamkeit

In manchen Nächten tanzen wir,
Lichttrunkene Schwärmer,
Angezogen vom Schein der Laternen,
Die Flügel fadenscheinig,
Aufgerieben vom Staub der Geschichte,
Unsere Maschinenherzen zerfallen,
Im steten Zeitenwind,
In manchen Nächten tanzen wir,
Neonverliebte Falter,
Elektrisiert vom Glanz der Städte,
Die Flügel altersschwach,
Bleiern vom Gewicht all der Jahre,
Unsere Steinseelen zermürbt,
Vom unaufhörlichen Zeitenstrom,
In manchen Nächten tanzen wir,
Liebestaumelnde Insekten,
Fasziniert vom Leuchten der Giganten,
Die Flügel ausgefranst,
Von all den Tänzen zerflogen,
Unsere Eisengedanken verrosten,
Zernagt vom Zahn der Zeit.

© sybille lengauer

Herzschlag, Divina

Veröffentlicht: Juli 7, 2022 in Gedichte
Schlagwörter:, , ,

Herzschlag, Divina

Ich will zurück in den Wald,
Will über federnde Moose laufen,
Den Duft harziger Kiefern im Haar,
In rauschenden Wipfeln will ich gebadet sein,
Gekrönt unter den Königinnen der Bäume,
Divina,
Meine Füße, verankert, verwurzelt,
Tief in der schwarzen Erde,
Tief, tief soll mein Herzschlag sein,
Divina,
Ich will zurück in die Steppe,
Will durch flüsternde Gräser streifen,
Den Ruf des kreisenden Bussards im Ohr,
In der unendlichen Weite will ich geborgen sein,
Gekrönt unter den Königinnen der Wolken,
Divina,
Meine Füße, verankert, verwurzelt,
Tief in der sandigen Erde,
Tief soll mein Herzschlag sein, tief,
Divina,
Ich will zurück in die Berge,
Will über grollende Felsen schweifen,
Den Kuss der tosenden Winde im Herzen,
Im kosmischen Himmelsband will ich verbunden sein,
Gekrönt unter den Königinnen der Sterne,
Divina,
Meine Füße, verankert, verwurzelt,
Tief in deiner, tief in meiner Erde,
Divina,
Tief, tief soll mein Herzschlag sein.

© sybille lengauer

Der Geruch der Freiheit

Achselschweiß ist Bürgerpflicht,
Ich wasch’ mich heute wieder nicht,
Rasiere auch nicht meine Beine,
Kein Schaumbad mehr für mich alleine,
Stattdessen mit dem alten Lappen,
Katzenwäsche in Etappen.
Es käselt unter meinem Busen,
Im Nabel wachsen Ekelflusen,
Die Füße schwarz, die Ohren dreckig,
Das Haar nicht lockig, sondern speckig,
Die Nägel gelb, die Zähne auch,
Bikini-NoGo bis zum Bauch,
Ich miefe mutig vor mich hin,
Weil ich ein echtes Vorbild bin,
Und übe tapfer Duschverzicht,
Ich wasch’ mich, nein, ich wasch’ mich nicht!
Denn selbst wenn meine Reime hinken:
Du sollst nicht duften, du sollst stinken.

© sybille lengauer