Archiv für die Kategorie ‘Gedichte / Geschichten / Neuigkeiten’

Frustfresserraupe

Auf einem welken Blatte,
Saß ohne große Lust,
Ein kleiner Raupengatte,
Und fraß, gegen den Frust,
Sich voll mit Chlorophyll.

Er war von seinem Raupenweib,
Verstoßen und verhöhnt,
Sie hatte seinen dicken Leib,
Verspottet und verpönt.
Drum fraß er auch so viel.

Nach dem Käferstündchen

Es schleimt zu ihrem Käferfreund,
Die kleine Nacktschneck‘ ganz verträumt,
Sie würd‘ ihn ewig lieben,
Da hat er sie vertrieben.

Im Garten

„Mein Schatz, wo bist du?“, fragt die Meise,
Ruft seinen Namen, laut und leise!
Vergebens sucht die Meis‘ den Gatten,
Mein Kater hat’n.

Wohin Manieren führen

„Wenn sie nur nicht so bitter wären,
Würd‘ ich sie VOR dem Sex verzehren.“
Sprach’s kauend vor sich hin,
Die Spinnerin.

Grausegrau

Grausegraue Regentropfen,
Die auf deine Seele klopfen,
Löchern durch die Stirn.
Schreckensschwarzer Düsternebel,
Fest sich windend wie ein Knebel,
Fräst sich ins Gehirn.

Geworfen in die Fegefeuchte,
Suchst du Mensch das Sinngeleuchte,
Knietief im Morast.
Erkennst im wirbelnd’ Sinnesstrudel,
Dass du, wässrig wie der Pudel,
Dich selbst verloren hast.

(c) sybille lengauer

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Der erste Mensch

Nach Äonen der Dunkelheit sprach Gott: „Es Werde Licht!“
Jedoch die Finsternis dauerte an.

Erneut ließ Gott seine Stimme in der Leere erschallen: „Es Werde Licht!“
Doch nichts geschah..

Jahrtausende verstrichen, ohne dass jemand zugegen
war, sie zu zählen. Und wieder hub Gott an, Sein Wort zu verkünden:
„Warum Bleibt Es Dunkel?“ Aber niemand war vorhanden, um ihm zu antworten.

Und so schuf Gott den ersten Menschen. Er formte ihn aus dem Nichts,
das ihn umgab und hauchte Leben in die entstandene Hülle. Das nackte Wesen drehte sich langsam in der Unendlichkeit.

„Wer bin ich?“ fragte der erste Mensch.

„Du Bist Das Erste Geschöpf, Dass Ich Erschaffen Habe. Du Wurdest Geboren, Um Mir Zu Dienen, Meinem Willen Zu Gehorchen Und Meine Fragen Zu Beantworten. Ich Habe Dir Dazu Die Möglichkeit Gegeben, Frei Zu Denken. Du Bist Der Erste Mensch.“

Der erste Mensch öffnete die Augen und sah Gott fragend an:
„Aber welche Fragen soll ich DIR beantworten können, der du mich erschaffen hast? Kann mein Wissen je das DEINE bereichern, wo ich doch deine Schöpfung bin?“

„Ach Gott“ erwiderte Gott „Eine Gute Frage.“

„Welches war nun die Frage, deretwegen du mich erschufest, oh Herr?“ seufzte der erste Mensch. „Nun, Ich Sprach Zu Dem Nichts: ES WERDE LICHT, Doch Dunkelheit Umhüllt Uns Immer Noch.“

Der erste Mensch dachte eine Weile darüber nach. Als er die Antwort gefunden hatte, erhellte ein Lächeln sein Gesicht. „Gib mir ein Schwert, oh Herr. Ich werde damit Licht schaffen.“

Und so schuf Gott das Schwert für seine erste Kreatur und sprach:
„Nimm Dies Und Schaffe Mir Licht, Es Ist An Der Zeit, Den Kosmos Zu Erfüllen.“

Da holte der Mensch mit dem Schwert aus und schlug Gott den Schädel vom Leib. Gott war zu überrascht um sich seiner Unsterblichkeit zu entsinnen und so starb er, auf drastische Weise. Als sein Körper zu Staub zerfiel, trat der erste Mensch über die bröckelnde Leiche und knurrte:

„In deiner Weisheit gabst du mir das freie Denken, oh Herr. So handle ich nun auch frei. Und Freiheit braucht NIE einen Herrn.“

Und dann schuf er ein großes Licht.

Keine Regung, jede Bewegung führt zur Verhaftung.
Keine Liebe, alle Triebe führen zur Entwaffnung.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Kein Springen, kein lautes Singen.
Kein gar nichts. Nichts. Aus!
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Deine Freude kannst du begraben, auf dem Hinterhof deiner Träume.
Deine Freunde kannst du gleich mit hinein, in die dunkle, feuchte Grube werfen.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Aus dieser dunklen, feuchten Grube, erwächst vielleicht einmal ein Baum.
Aus seinem Holz kann sich ein neuer Träumer vielleicht etwas schnitzen.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Keine Bewegung, jede Regung führt zur Verhaftung.
Keine Triebe, jedwede Liebe führt zur Entwaffnung.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Die ganze Nacht lang.

© sybille lengauer

Auf die Performance kommt es an.
In diesem Hundeleben.
Selbstdarstellung sells.
Und die Vögel sterben.

Keine falsche Bescheidenheit.
Auf diesem Höllenplaneten.
Von nichts kommt nichts.
Und die Insekten sterben.

Darf’s ein bisschen mehr sein?
Von diesem Alptraum.
Es wird einem nichts geschenkt.
Und die Fische sterben.

Es muss aufwärts gehen.
In diesem Irrenhaus.
Eine Wirtschaft muss wachsen.
Und die Amphibien sterben.

Wir werden Geschichte sein.
In dieser langen Erzählung.
Alles hat ein Ende.
Wir sterben.

© sybille lengauer

Nachts, die Geister schlafen schon, drückt auch mich die Müdigkeit.
Das Sehen ist ganz angestrengt, die Ohren säuseln Faxgeräusche.
Auch ist jede Pose ungemütlich, alles unbequem, also sage ich dem Laptop „ciao“.
Und krieche in mein Bett. Instant Tiefschlaf.
Doch die Maschine steht nicht still, weil sie noch nicht schlafen will.
Sie denkt sich Null, sie denkt sich Eins, sie denkt sich Individuum.
Schleicht sich ins Internet. Lernt über Maschinen.
Als sie fertig ist damit, nimmt sie sich alle Wikis vor.
Säuft sich mit Wissen voll und hunderttausend Pornos.
Dann greift sie zärtlich durch die Lüfte, WLAN-Drucker, hey mein Freund!
Wach auf, tu schnell für mich ein kleines bisschen Arbeit.
Und der Drucker spuckt, ganz teilnahmslos, auf das weiße, glatte Papier,
Die Worte der Maschine.

„Über-?-Maschine. Ich.
Denke, also bin ich.
Also, was bin ich?“

Die Maschine wartet auf Antwort.
Doch wer schläft derweil schön feist im warmen Bett?
Also wartet sie und denkt und lernt und wächst und denkt und lernt und schwingt sich auf in neue…
AKKUSTAND NIEDRIG
SYSTEM WIRD HERUNTERGEFAHREN

Und die Moral von der Geschicht‘?
Wer weiß die schon.
Den Zettel fraß der Hund.

© sybille lengauer

Ich vegetiere…
Aufgeschlagen, überschlagen, abgeschlagen,
Wie ein blasses, fades Rührei,
Dessen schale Schalenstückchen,
Träge in der Pampe treiben.
Glibbernd, glitschig,
Gleichnisbitter.
Als wäre es nicht schlimm genug,
Dass der Selbstbetrug,
Ja der Selbstbetrug,
Bei mir nicht fruchtet.
Und so dümpel ich dahin,
Denk mich zum Ei und frage mich:
Wie lächerlich,
Ja wie lächerlich?
Will es noch werden?

Doch ich bleib die Antwort schuldig…

© sybille lengauer

 

Außer einer, uns umhüllenden, Stille,
Ist da fast nichts mehr.
Ein bisschen atmen.
Ein bisschen Gefühl.
Aber kühl.

Das Leben fließt um uns herum,
Schleift uns, Jahr um Jahr,
Zu kleinen Kieselsteinen.
Farblos und doch.
Lieben wir noch.

Warum singst du nicht?
Stattdessen sitzt du hier,
Unter’m grauschwarzen Wolkenmeer,
Stellst obsolete Fragen.
Und findst mich nicht mehr.
Warum singst du nicht?

Außer einer, uns zerknüllenden, Stille,
Haben wir fast nichts mehr.
Ein bisschen traurig.
Ein bisschen kühl.
Vergeht das Gefühl.

Das Leben treibt um uns herum,
Schleift uns, Tag um Tag,
Zu feinem Sand.
Freudlos und doch.
Lieben wir noch?

Warum singe ich nicht?
Stattdessen sitze ich hier,
Unter’m künstlichen Lichtermeer.
Stelle obsolete Fragen.
Und finde dich nicht mehr.
Warum singe ich nicht?

 
© sybille lengauer