Archiv für die Kategorie ‘Gedichte’

Januskopf

Veröffentlicht: September 15, 2018 in Gedichte, Gefasel, Politisches
Schlagwörter:

Januskopf

Wenn das jeder machen würde!
Wo kämen wir da hin?
Das kann doch nicht angehen,
Es kann doch nicht wahr sein,
Also wirklich.
Wenn das jeder so machen würde!
Das wäre ein Zustand,
Dass es einer Sau graust.

Wenn das jeder machen würde?
Das ist doch total utopisch.
Es wird nie passieren,
Hey, das wird niemals geschehen,
Also wirklich.
Wenn das jeder so machen würde?
Das wäre ein Aufstand.

Und alles verändert sich.

Wenn das jeder machen würde!
Wie finde ich denn das?
Das kannst du dir nicht ausdenken,
Das kann doch nur ein Witz sein,
Also wirklich.
Wenn das jeder so machen würde!
Das wäre ein Fiasko,
Da können wir alle einpacken.

Wenn das jeder machen würde?
Das ist völlig unrealistisch.
Da kannst du dich gleich auf den Mond wünschen,
Das interessiert doch keinen.
Also wirklich.
Wenn das jeder so machen würde?
Das wäre eine Revolution.

Und alles verändert dich.

© sybille lengauer

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Ozean

Es ist so ruhig, hier draußen.
Auf dem weiten Ozean.
Die Toten treiben still dahin.
Im kristallklaren Wasser.
Lassen sich nicht stören.
Von deiner Angst, nicht mehr gebraucht zu werden.

Und die Hoffnung,
Die dort gerade zerbricht.
Interessiert dich nicht.
Interessiert dich nicht.

Es ist so angenehm, hier draußen.
Auf dem weiten Ozean.
Die Leichen ziehen mit der Strömung.
Im Wasser, so blau wie der Himmel.
Lassen sich nicht stören.
Von deiner Angst, ungeliebt zu sein.

Und die Zuversicht,
Die dort gerade zerbricht.
Interessiert dich nicht.
Interessiert dich nicht.

Es ist so still, hier draußen.
Auf dem weiten Ozean.
Die Toten schaukeln auf den Wellen.
Während langsam die Sonne untergeht.
Lassen sich nicht stören.
Von deiner Angst, nicht dazu zu gehören.

Und der Traum,
Der dort gerade zerbricht.
Interessiert dich nicht.
Interessiert dich nicht.

Es ist so schön, hier draußen.
Auf dem weiten Ozean.
Die Leichen driften mit den Gezeiten.
Während sich das Wasser langsam dunkel färbt.
Lassen sich nicht stören.
Von deiner Angst, sterblich zu sein.

Und das Leben,
das dort gerade zerbricht.
Interessiert dich nicht.
Interessiert dich nicht.

© sybille lengauer

In die Büsche

Veröffentlicht: August 27, 2018 in Gedichte, Gefasel, Politisches
Schlagwörter:

Da schlägt sich einer.
Mitten zwischen die Augen.
Fällt hin und windet sich.
Blutüberströmt, auf dem menschenleeren Platz.
Etwas geht immer.
Etwas geht immer weiter.
Da schlägt sich einer.
Mitten ins Gesicht hinein.
Kommt aufgeplatzt wieder hoch vom Boden.
Blutüberströmt, auf dem menschenleeren Platz.
Etwas geht immer.
Etwas geht immer wieder.
Da schlägt sich einer.
Mitten auf die Nase.
Stolpert und liegt schon wieder unten.
Blutüberströmt, auf dem menschenleeren Platz.
Etwas geht immer.
Etwas geht immer weniger.
Da schlägt sich einer.
Mitten ins Fleisch.
Rappelt sich keuchend nach Oben.
Blutüberströmt, auf dem menschenleeren Platz.
Etwas geht immer.
Etwas geht immer weg.
Da schlägt sich einer kaputt.
Mitten am hellichten Tag.
Verteilt seine Wut auf dem Beton.
Hassüberströmt, auf dem menschenleeren Platz.
Etwas geht immer.
Etwas geht immer vorbei.

© sybille lengauer

Stacheldraht

Veröffentlicht: August 21, 2018 in Gedichte, Politisches
Schlagwörter:, ,

Fest der Liebe, Zäune bauen.
Fest des Friedens, scharf das Hündchen.
Geschlossene Gesellschaft.
Auf der Heiterkeitswiese.

Und Stacheldraht, überall.
Stacheldraht. Überall.

Fest der Liebe, Mauern errichten.
Fest des Friedens, hart getroffen den Schnorrer.
Geschlossene Gesellschaft.
In den Glockenklanghimmeln.

Und Stacheldraht, überall.
Überall Stacheldraht. Überall.

Fest der Liebe, Gräben schaufeln.
Fest des Friedens, bitte keinen Neid.
Geschlossene Gesellschaft.
Auf den Zehntausenderrängen.

Und Stacheldraht, überall.
Stacheldraht. Stacheldraht. Überall.

Fest der Liebe, teilen unerwünscht.
Fest des Friedens, auf unserer Seite des Tellers.
Geschlossene Gesellschaft.
Hier Überall.

Und Stacheldraht, überall.
Überall Stacheldraht.
Überall.
Stacheldraht.

© sybille lengauer

Kopffrei

Veröffentlicht: August 19, 2018 in Gedichte
Schlagwörter:, , , , , ,

 
(ein Schreigedicht)

Nach langer Krankheit,

Kein bisschen in Frieden,

Kein bisschen verstorben.

Nach langer Krankheit,

Kein bisschen voll Demut,

Kein bisschen gegangen.

Nach langer Krankheit,

Scheiß auf die Krankheit.

Nach langer Krankheit,

Scheiß auf die Tränen.

Nach langer Krankheit,

Scheiß auf die Folgen.

Scheiß auf die Narben.

Nach langer Krankheit,

Gib mir die Zukunft, gib sie mir jetzt.

Gib mir die Zukunft, gib sie mir.

Nach langer Krankheit,

Kein bisschen vernünftig,

Kein bisschen Moral.

Nach langer Krankheit,

Freiheit, Freiheit.

Jetzt.

Nach langer Krankheit,

Kein bisschen in Frieden,

Kein bisschen verstorben.

Nach langer Krankheit,

Zukunft, Zukunft!

Jetzt!

© sybille lengauer

 

Dieses schabende, grausame Rauschen, tief in der Finsternis.

Wie soll ich es erklären.

Es ist wortlos.

Diese blinde, rasende Wut, unter den Jahresringen.

Wie soll ich sie besänftigen.

Sie ist endlos.

Diese nagende, fragende Sehnsucht, unter den Augenringen.

Wie soll ich sie stillen.

Sie ist arglos.

Dieses alberne, wiehernde Gelächter, unter dem Faltenrock.

Wie soll ich es mildern.

Es ist grenzenlos.

© sybille lengauer

Das letzte Quäntchen

Veröffentlicht: August 17, 2018 in Gedichte, Gefasel
Schlagwörter:

Neulich schlug es noch, das Unverbesserliche.
Das unbeständige,
Das Unverständliche, das.
Schlug und flatterte ein bisschen.
Wo jetzt Ruhe herrscht.

Neulich hielt er noch, der Unerschütterliche.
Der Unbestechliche,
Der Unveränderliche, der.
Stand in der Brandung.
Wo jetzt Stille herrscht.

Neulich schwelte sie noch, die Unbeirrbare.
Die Unbezwingbare,
Die Unverantwortliche, die.
Raste mit dem Kopf voran.
Wo jetzt Schweigen herrscht.

Neulich, im neulich,
Ging es, ging er, ging sie.
Neulich, im neulich,
Ging es um dich und nicht um die.

(repeat)

© sybille lengauer