Archiv für die Kategorie ‘Gedichte’

Machine Gun – ein Alptraum?
(Vorlesegedicht, Rhythmusgedicht)

Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder rund,
Wir ziehen in den Krieg.
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Der Horror scheint vergessen,
Der Blutzoll längst verjährt,
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Also auf, ihr jungen Menschen,
Die ärmsten gern voran!
Die Zähne gebleckt,
Die Fäuste gereckt,
Das Feindbild beschlossen,
Und draufgeschossen!
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder rund,
Wir ziehen in den Krieg
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Die Schuld scheint abgegolten,
Die Schrecken längst verklärt,
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Also auf, ihr jungen Leute,
Die verzweifeltsten voran!
Den Ranzen bestückt,
Die Waffen gezückt,
Das Weltbild festgegossen,
Und losgeschossen!
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder richtig rund,
Wir ziehen in den Krieg…

© sybille lengauer

Schau nur die Wolken

Veröffentlicht: August 3, 2021 in Gedichte
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Schau nur die Wolken

Ich streife barfuß zwischen den Feldern,
Über Steinchen und Sand führt mein Weg,
Es knistert im Weizen,
Hoch reckt sich der Mais,
Alles wartet auf Regen,
So wie ich.
Unter meinen bloßen Füßen,
Atmet der Feldweg im Rhythmus der Erde,
Über mir, im unendlichen Himmel,
Die Bäuche der Wolken,
Vom Wind glattgebürstet,
Streifen dunkel das träumende Land,
Schau nur, die Wolken,
Bereit die Last auszuschütten,
Die sie von weither getragen,
Zwischen alldem kreisen Schwalben,
Auf der Suche,
So wie ich.

© sybille lengauer

Ode an den Fahrradfahrer, den ich gerade mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen habe
oder: Daumenlos durch den Nachmittag (ca 2016)

Ich weiß, dass für dich nur Geschwindigkeit zählt,
Eine Klingel erscheint da entbehrlich,
Da die aerodynamische Schnittigkeit fehlt,
Denkst du: „Weg mit dem Teil, jetzt mal ehrlich!“
Doch mein Haar, es weht lange und spielt mit dem Wind,
Da kommt’s schon mal vor, dass Insekten drin sind,
Und dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar,
Ja dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar…
„Autsch!“
Ich weiß, dass dir sehr schnelles Fahren gefällt,
Vielleicht sind deine Freuden sonst spärlich,
Kann schon sein, dass man in einen Rauschzustand fällt,
Ohne Klingel ist das sehr gefährlich.
Denn mein Haar, es weht lange und spielt mit dem Wind,
Und wenn’s dann mal passiert, dass Insekten drin sind,
Dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar,
Ja dann fahr ich mir kräftig duch’s Haar,
„Aua!!!“
Vielleicht habe ich vorschnell mein Urteil gefällt,
Du stehst gar nicht auf irres Geradle,
Sondern kamst einfach nur ohne Daumen zur Welt,
Und jetzt blutet dein Auge, wie schade!
Denn mein Haar, es weht lange und spielt mit dem Wind,
Und dann kann es gescheh’n, dass Insekten drin sind,
Und dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar,
Ja dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar,
„Autsch!“
Schallala-lala-lalalala,
Ja dann fahr ich mir kräftig durch’s Haar,
Schallala-lala-lalalala,
Dein Veilchen kannst du jetzt deiner Freundin erklären…
* fade out *

© Sybille Lengauer

Sein Gesicht hat Depressionen

Ich bin es müde geworden,
wispert sein Mund und lässt die Winkel hängen,
Ich bin es müde geworden,
stöhnt sein Bart und baumelt schlaff vom Kinn,
Ich bin es müde geworden,
näselt seine Nase und schnieft arg verschnupft,
Ich bin es müde geworden,
murmeln seine Augenlider und flattern wimpernschwer,
Ich bin es müde geworden,
seufzt seine Stirn und schlägt runzlige Wellen,
Ich bin es müde geworden,
raunen seine Augenbrauen und umschlingen einander,
Ich bin es müde geworden,
murren seine Ohren und verstopfen die Gänge mit Schmalz,
Ich bin es müde geworden,
wispern seine Haare und fallen Büschelweise aus,
Ich bin es müde geworden,
sagt sein Blick und ich nicke verstehend.

© sybille lengauer

Herz aus Beton

Endlich sind die alten Linden an der Kirche weg,
Man konnte gar nicht richtig in den Himmel seh’n,
Endlich sind die blöden, grünen Dinger weg,
An ihrer Stelle kann jetzt bald mein Auto steh’n,
Wo einst die Meise tirilierte und der Zaunkönig brillierte,
Wo die Amsel stolz gesungen, der Ruf der Nachtigall erklungen,
Baut der Mensch nun endlich seinen größten Schatz,
Einen Pi-, einen Po-, einen Parkplatz.

Endlich ist die alte Brache an der Straße weg,
Man konnte gar nicht mit dem Kind spazierengeh’n,
Endlich ist der dumme, grüne Schandfleck weg,
An seiner Stelle kann jetzt bald mein Häuschen steh’n,
Wo einst die schrille Spitzmaus wohnte und die Eidechse sich sonnte,
Wo sich der Schmetterling verpuppt’ und die Blindschleich’ sich geschuppt,
Lebt der Mensch nun endlich seine Träume aus,
In einem Drei-, in einem Zwei-, in einem Einfamilienhaus.

Endlich ist das alte Wasserloch am Dorfrand weg,
Man konnte gar nicht mit dem großen Trecker mäh’n,
Endlich ist die doofe, grüne Pfütze weg,
An ihrer Stelle kann jetzt bald mein Maisfeld steh’n,
Wo einst die Frösche lauthals quakten und die Reiher reihum stakten,
Wo der Storch reich Beute machte und der Grünspecht hämisch lachte,
Entsteht nun endlich eine Geld- und Wertanlage,
Eine Schwi-, eine Schwa-, eine Schweinemastanlage.

© sybille lengauer

Leben (Morgen und Heute)

Morgen fressen uns vielleicht die Würmer.
Doch heute wurmen wir hier noch herum.
Und winden uns, wie tapfre Gipfelstürmer.
Um Lebenswege, mutig oder dumm.

Wir halten fest an alten Idealen.
Oder treten ebendiese in den Dreck.
Egal was kommt, die Bilder die wir malen.
Wäscht die Zeit mit einem Blinzeln wieder weg.

Und wenn dereinst die Ratten an uns nagen.
Die heiße Sonne unsre Knochen spröde bleicht.
Wird jemand anders unsre Sorgen weitertragen.
Weil jedes Leben irgendwie dem nächsten gleicht.

© sybille lengauer

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