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Sommerloch (Kein Krimi vor dem Urlaub)

Veröffentlicht: Juli 17, 2019 in Gefasel
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Hallo ihr Lieben,
bevor ich mich in den wohlverdienten Urlaub verabschiede, lasse ich euch diesen kleinen Nicht-Krimi hier, der es einfach nicht geschafft hat, eine richtige Geschichte zu werden. Manchmal will es einfach nicht sein, trotzdem darf der Text hier auf der Seite bleiben. Wir lesen uns hoffentlich nach dem Urlaub wieder, ich wünsche euch allen angenehme Tage!
Sy

Sommerloch (Kein Krimi)

Alles begann an einem drückend heißen Dienstagnachmittag im Juni 2019, an dem niemand mit dem Beginn einer Geschichte gerechnet hätte. Die Temperatur war im Laufe des Tages auf ungewöhnliche 35 Grad Celsius gestiegen, wie flüssiges Weißgold brannte die Sonnenscheibe auf ganz Deutschland herab. In den Metropolen begann der Asphalt zu glühen, in den Dörfern lagerten Fuchs und Hase unter den Büschen und schliefen.
Im dritten Stock der Stadtverwaltung M. schwitzte der städtische Angestellte Hermann Worms betrübt vor sich hin, während vor dem Fenster seines stickigen Büros die Mauersegler schrien. Sehnsüchtig dachte er sich an die Seite der akrobatischen Flieger, träumte sich unter dem wolkenlosen Himmel kreisend, ein farbenfrohes Häusermeer tief unter seinen Schwingen. Das schrille Läuten des Telefons riss ihn aus der Fantasie zurück in die banale Realität des Ordnungsamtes. Hermann Worms blinzelte gereizt, nur widerwillig nahm er das Gespräch entgegen. Ein aufgebrachter Anrufer meldete in kurzen, abgehackten Sätzen einen Kühlschrank, den er soeben bei einem Spaziergang im Naturschutzgebiet entdeckt hatte und forderte dessen umgehende Entsorgung. Mürrisch notierte Hermann Worms die Wegbeschreibung zu dem kleinen Waldstück und legte auf, ohne sich zu bedanken. Er verfasste eine kurze E-Mail an den zuständigen Entsorgungsdienst, dann vergaß er die ganze Angelegenheit umgehend und folgte in seinen Gedanken wieder den melancholischen Rufen der Mauersegler, die vor seinem Bürofenster kreisten.
Kaum eine halbe Stunde später las ein ebenso schwitzender und desinteressierter Angestellter des Entsorgungsdienstes die lieblos verfasste E-Mail. Guido Bergmann, der in einem genauso stickigen Büroräumchen des Wertstoffhofes M.-West saß und sich nach einer Zigarette sehnte, beschloss, dass jener illegal deponierte Kühlschrank auch noch in ein paar Tagen im Wald anzutreffen sei. Nämlich am besten dann, wenn sein Kollege Berthold Rosen aus dem Urlaub zurückgekehrt wäre, um diese unliebsame Aufgabe zu übernehmen. Guido Bergmann verfasste also eine kurze Notiz, die er auf Wiedervorlage setzte, dann vergaß er den Auftrag bei einer Zigarette, die er genüsslich in einer schattigen Ecke des Wertstoffhofes rauchte. Drei Tage später wurde eben jene Notiz erneut auf Wiedervorlage gesetzt, diesmal von einem verärgerten Berthold Rosen, der sich kopfschüttelnd über die Faulheit seines Kollegen Guido Bergmann echauffierte.
Und so begab es sich, dass der Kühlschrank noch weitere zehn Tage im Wald lag, bevor er schließlich geborgen und zum Wertstoffhof M.-West verbracht wurde. Zehn Tage, in denen die zerstückelte Leiche bis zur Unkenntlichkeit verweste, die im Inneren des Kühlschranks versteckt worden war. Zehn Tage, in denen sich die Spur des Täters unwiederbringlich im wuchernden Unterholz des Waldes verlor. Zehn Tage, nach denen sich niemand mehr erinnerte, wer den Fund bei der städtischen Behörde gemeldet hatte. Und die Zeit verging.
Peter Schaffner hatte es satt. Frustriert stand der Journalist vor dem dampfbeschlagenen Spiegel seines Badezimmers, die Zahnbürste hing ihm schräg aus dem Mund, während er gelangweilt sein verschwommenes Spiegelbild anstarrte. Drei Wochen waren vergangen, seit man die stark verwesten Leichenteile im Kühlschrank entdeckt hatte und so sehr er sich auch bemühte, er konnte der Story keine weiteren Höhepunkte entlocken. Die Polizei trat auf der Stelle, die Identität der Leiche konnte nicht geklärt werden, die Suche nach dem Täter verlief ergebnislos. Seine Anrufe auf dem Präsidium wurden höflich abgewehrt, seine Anfragen bei der Stadt kommentarlos blockiert. Die Story war ausgelutscht, noch bevor sie richtig in Fahrt gekommen war und Peter Schaffner wusste das. Ein Klopfen an der Badezimmertür riss ihn aus seinen unerfreulichen Gedankengängen. Er zog die Zahnbürste aus dem Mund, beendete seine Morgentoilette und drückte sich mit einem kurzen Grunzen an seiner Frau vorbei, die ungeduldig im Flur stand und wartete. An diesem Vormittag verfasste Peter Schaffner eine Nachricht an seinen Chefredakteur, in welcher er um die Zuteilung eines neuen Themas bat. Keine zwei Stunden später machte er sich bereits auf den Weg, um über die Renovierung des städtischen Tierheims zu berichten.

© sybille lengauer

Schlechte Laune

Veröffentlicht: Mai 5, 2019 in Gefasel
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Kein Frieden.
Kein Frieden.
Wir finden keinen –
Frieden.
Ständig Muss, Kann, Sollte, Wollte.
Immer laut und vollbeschäftigt.
Kaum der Hauch einer Sekunde.
Der nicht angefüllt mit Scheißdreck.
Güter, Worte, Wünsche, Taten.
Die, einmal genau betrachtet.
Nur dem Zweck des Stopfens dienen.
Füllstoff, Billig-Spachtel-Masse.
Wirf’s dem Leben in den Rachen.
Einen Sinn wird es schon haben.
Schließlich braucht es unser Handeln.
Um den Augenblick zu Schönen.
Todesurteil Langeweile.
Hat die Stille aufgefressen.
Und der Fernseher läuft.
Und das Radio brüllt.
Und das Handy kann jetzt Filme.
H&M oder doch Marke?
Ganz egal, Hauptsache kaufen.
So kann man das auch nicht sagen.
Dringend mal die Nägel machen.
Auto waschen, Urlaub planen.
Kurzhaar oder Pagenkopf?
Junge, wie die Zeit vergeht.
Kaum, dass du zum Mensch geworden.
Klappt auch schon der Deckel zu.
Unser Leben für den Fleischwolf.

© sybille lengauer

 

Dieses schabende, grausame Rauschen, tief in der Finsternis.

Wie soll ich es erklären.

Es ist wortlos.

Diese blinde, rasende Wut, unter den Jahresringen.

Wie soll ich sie besänftigen.

Sie ist endlos.

Diese nagende, fragende Sehnsucht, unter den Augenringen.

Wie soll ich sie stillen.

Sie ist arglos.

Dieses alberne, wiehernde Gelächter, unter dem Faltenrock.

Wie soll ich es mildern.

Es ist grenzenlos.

© sybille lengauer

Das letzte Quäntchen

Veröffentlicht: August 17, 2018 in Gefasel, Politisches
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Neulich schlug es noch, das Unverbesserliche.
Das unbeständige,
Das Unverständliche, das.
Schlug und flatterte ein bisschen.
Wo jetzt Ruhe herrscht.

Neulich hielt er noch, der Unerschütterliche.
Der Unbestechliche,
Der Unveränderliche, der.
Stand in der Brandung.
Wo jetzt Stille herrscht.

Neulich schwelte sie noch, die Unbeirrbare.
Die Unbezwingbare,
Die Unverantwortliche, die.
Raste mit dem Kopf voran.
Wo jetzt Schweigen herrscht.

Neulich, im neulich,
Ging es, ging er, ging sie.
Neulich, im neulich,
Ging es um dich und nicht um die.

(repeat)

© sybille lengauer

Ein Nicht-Gedicht

Veröffentlicht: Oktober 22, 2017 in Gefasel
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Keine Regung, jede Bewegung führt zur Verhaftung.
Keine Liebe, alle Triebe führen zur Entwaffnung.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Kein Springen, kein lautes Singen.
Kein gar nichts. Nichts. Aus!
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Deine Freude kannst du begraben, auf dem Hinterhof deiner Träume.
Deine Freunde kannst du gleich mit hinein, in die dunkle, feuchte Grube werfen.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Aus dieser dunklen, feuchten Grube, erwächst vielleicht einmal ein Baum.
Aus seinem Holz kann sich ein neuer Träumer vielleicht etwas schnitzen.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Keine Bewegung, jede Regung führt zur Verhaftung.
Keine Triebe, jedwede Liebe führt zur Entwaffnung.
Tanzverbot. Es herrscht Tanzverbot.
Die ganze Nacht lang.

© sybille lengauer

Jetzt (eine kleine Ironie-Melodie)

Veröffentlicht: November 2, 2016 in Gefasel

 

Jetzt ist es schon wieder so dunkel da draußen,

Ein weiterer Tag schlicht vertan.

Man könnte was machen!

Man könnt noch was reißen!

 

Ich denke doch gar nicht daran.

 

Jetzt ist es schon wieder so sinnlos hier drinnen,

Das Leben verrinnt unspontan.

Man könnte was machen!

Man könnt noch was reißen!

 

Ich denke doch gar nicht daran.

 

Jetzt ist es schon wieder zu spät für Aktionen,

Die besten Chancen vertan.

Man kann nichts mehr machen.

Man kann nichts mehr reißen.

 

Ich denke nur noch daran…

 

 

© Sybille Lengauer

Im Unglück (Ein profanes Liedchen 2,3,4)

Veröffentlicht: August 12, 2015 in Gefasel

Im Unglück glücklich sein,

Weil gerade der Wind richtig steht.

Weil die Sonne so schön untergeht.

Weil die Welt sich ja doch weiter dreht.

Ja es geht.

Ja es geht.

Im Unglück glücklich sein,

Weil der Staub so magisch verweht.

Weil ein Freund dich richtig versteht.

Weil man niemals so ganz untergeht.

Ja es geht.

Ja es geht.

Im Unglück glücklich sein,

Weil der Sommerduft leise sich hebt.

Weil über allem eine Leichtigkeit schwebt.

Weil man nur dieses eine Mal lebt.

Ja das geht.

Ja das geht.

© Sybille Lengauer