Archiv für die Kategorie ‘Politisches’

Man ist entsetzt, man ist schockiert,
Hätte niemals gedacht, dass so etwas passiert,
Beschließt, dass sich da etwas ändern muss.

Nach dem Abendessen,
Ist es vergessen.
Das Leben geht weiter.

Man zeigt sich vernetzt, weil man meint es pressiert,
Schreibt Memos an Leute, die es nicht int’ressiert,
Mit Interpunktionen im Überfluss.

Nach dem Abendessen,
Ist es vergessen,
Das Leben geht weiter.

Man ist verletzt, man ist brüskiert,
Hätte niemals gedacht, dass es so schlimm grassiert,
Verkündet, damit sei nun endgültig Schluss!

Nach dem Abendessen,
Ist es vergessen.
Das Leben geht weiter.

Man wird langsam gesetzt und man resümiert,
Dass doch irgendwie immer dasselbe passiert.
Man schürzt die Lippen in stillem Verdruss.

Nach dem Abendessen,
Ist es vergessen.
Das Leben geht weiter.

© sybille lengauer

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Wut

Veröffentlicht: Oktober 3, 2017 in Gedichte, Gefasel, Politisches
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Da ist Wut – Wut in meinem Herzen.
Weil es immer noch dasselbe ist.
Nach all der langen Zeit.
Status zählt.
Und was man wählt.
Bestimmt die Angst – bestimmt das Denken.
Und der Schein regiert.

Da ist Wut – Wut in meinem Hirn.
Weil wir immer noch dieselben sind.
Nach all der langen Zeit.
Geld regiert.
Und wer verliert.
Bestimmt die Angst – bestimmt das Denken.
Und die Unvernunft regiert.

Da ist Wut – Wut in meiner Seele.
Weil der Rückschritt immer größer scheint.
Nach all der langen Zeit.
Gier pervertiert.
Und wer resigniert.
Bestimmt die Angst – bestimmt das Denken.
Und der Hass regiert.

© sybille lengauer

(eine kleine Überlegung in Sachen Mensch)

Krasse Hardcore-Pornos mit Arschfist gucken, aber nicht das Endstück der Tomate essen wollen, weil man meint es wäre der Popo der Pflanze. Das ist Mensch-Sein.

Als Mikrosporen durch die Gegend fliegen und Leute mit Allergien zur Weißglut treiben. Das ist Birkenpollen-Sein.

Mit dem dicken BMW zum Wochenmarkt fahren, um da Bio-Avocados zu kaufen, die um die halbe Welt transportiert wurden. Das ist Mensch-Sein.

Als feiner Staub auf allen möglichen Oberflächen haften und sich nichts dabei denken. Das ist Birkenpollen-Sein.

Arme Hundchen aus Rumänien adoptieren, aber Kriegsflüchtlinge nicht ins Land lassen wollen. Das ist Mensch-Sein.

Ein bisschen durch die Luft treiben und vielleicht irgendwo liegen bleiben. Das ist Birkenpollen-Sein.

Ich wär lieber ein Birkenpollen bitte…

© Sybille Lengauer

Dieser Dreck, der mein zu Hause ist. Brennt auf der Haut. Brennt auf der Seele. Frisst tiefe Spuren in meine schweißverkrustete Haut. Dieser Dreck, der mein zu Hause ist. Den du mit Füßen trittst. Weil du besser bist, in deinem Mehrzweckkostüm. In deinen Lederschuhen. In deiner Wolke aus feinem Parfum.
Dieser Dreck, der mein zu Hause ist. Den du angewidert mit einem feuchten Tuch abwischst, wenn du aus meiner Gosse zurück in dein Appartement flüchtest. Und dich hasst dafür. Weil dich der Gedanke anekelt, dass es mich gibt. Weil du das niemals offen zugeben würdest. Du gehst zu deinem Kühlschrank und schenkst dir ein Glas Orangensaft ein. Denkst an etwas Schöneres als mich. Und ich habe nichts. Ich habe nichts. Außer diesem Dreck. Der mein zu Hause ist.
Den ich hasse. Den ich nicht ertrage. Den ich verdränge, auch wenn es mir das Hirn zerfrisst. Eine Tüte Plastik. Eine Tube Klebstoff. Und die Fetzen, die ich am Leib trage. Große Kinderaugen. Dahinter ein Herz, das zu alt ist um noch Kind zu sein. Und eine Seele, die brennt wie Säure. Ich bleibe hier liegen. Bis er mich aufgefressen hat. Bis er mich völlig absorbiert hat. Dieser Dreck, der mein zu Hause ist.

© Sybille Lengauer

Da stehen so Begriffe. Lungern dummdreist im Raum herum und wollen bedacht werden. Wollen überdacht werden. Mit Gedankenschindeln. Dieses Hirngesindel. Gut, könnt ihr haben, ihr Wortergusskleisterer.

Gesund älter werden? Nach all dem verbotenen Spaß, mit gefühlten hundert Jahren. Immer noch fit genug fürs Pfandflaschen sammeln sein. Mit mikroskopisch kleiner Rente von Monat zu Monat krebsen.  Bei der Tafel für etwas zu Essen in der Schlange stehen. Einen Kredit für Medikamente aufnehmen. Wollen.  Aber die Finanzlage ist zu angespannt. Außerdem keine Sicherheiten. Nebenher noch Geld sparen. Sollen. Für das Pflegeheim. Wenn man dann wirklich hundert ist. Sich nicht mehr selbst versorgen kann. Zwangssediert. Zwangsfixiert. Die guten Pflegekräfte wegrationalisiert. Ratz, fatz, her mit den Billiglohn-Kräften. Irgendein Langzeitarbeits-loser wird der Oma die Dekubitus auch salben können. Und irgendwie wusste man schon früher, dass das kommt. Als man noch jünger war. Aber auch nicht optimistischer. Aber auch schon irgendwie hilflos. Da liegt man dann. Im durchdesignten Sterbezimmer. Die Jalousien auf Halbmast. Die Hoffnung im Keller. Bewusste Verwesung. Und durch kotzgrau laminierte Flure schallt das sinnentleerte Geplapper von grinsdebilen Talkshow-Schlammscheißern. Willigen Medinenhuren, die einander selbstgefällig die Augen aushacken. Live und in Farbe. Weil es gerade so schön ist. Irgendwo läuft ja immer ein Fernseher. Und angeblich findet man das dann gar nicht mehr so schlimm. Altersweisheit. Nämlich. Da versöhnt man sich dann auch noch mit der Politik. Weil die ja auch nur Menschen sind. Weil die ja auch Probleme haben. Im moder-Modus frisst man die eigenen Überzeugungen rückwärts. Angeblich. Ist aber auch egal. Hört eh keiner mehr zu.

Hurra, ich werde älter. Und manchmal fühl ich mich auch so…

© Sybille Lengauer

Weihnachten

Veröffentlicht: Dezember 15, 2011 in Gedichte, Politisches, Video
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Ein etwas anderes Weihnachtsvideo hat mich heute von Sven Morscheck erreicht. Der Originaltext stammt aus „Hirnwichsen“ (Verlag Engelsdorfer, 2008)

Das Erwachen

Veröffentlicht: März 18, 2011 in Gedichte, Gefasel, Politisches
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Lass uns ein bisschen übers Leben reden, wenn sich Gefühle regen und die Gedanken aus dem Dunkel hin zum Licht bewegen. Wenn die Haut sich kräuselt,  wenn das Fleisch sich windet. Wenn das Gehirn, ganz zaghaft tastend, Antwort findet. Wenn man das Ungedachte sucht mit scheuem Blick und plötzlich schreckensbleich erkennt, es starrt zurück.

Lass uns ein bisschen fragen wie man sich wohl fühlt, wenn man den Schlaf erkennt, der jede Regung lähmt, der Menschen fügsam macht und selbst das freie Atmen hemmt.  Wenn man bemerkt, dass man nicht ist was man an anderen vermisst. Wenn die Erde bebt, sich der Vorhang hebt und das was auf der Bühne klebt ist nichts als Blut.

Lass uns ein bisschen raten ob man es goutiert, wenn sich das Leben langsam auseinanderschmiert und nicht ein Funke ungeniert mit redlich‘ Weisheit scheint verziert. Wenn sich die Taten rächen und von Selbstzweck sprechen, wenn Träume seifenblasengleich in tausend Stücke brechen. Weil man erkennt, dass man nicht ist was man bei anderen vermisst. Wenn man im Unbekannten wühlt nach etwas Glück und schließlich einsieht: es ist wie ein schlechter Fick.

Lass uns ein bisschen übers Hoffen reden, wenn sich die Augen heben und sich die Stimmen aus dem Kopf direkt ins Herz begeben. Wenn die Zunge plötzlich durch die Lippen sticht und man die Worte spricht, durch die man Regeln bricht. Wenn man die Fäuste hebt, wenn der Körper bebt und das was an den Fingern klebt ist nichts als Wut.

© Sybille Lengauer