Eine fehlt

Veröffentlicht: Oktober 14, 2021 in Gefasel
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Eine fehlt

Kleine Pfote,
Eins zum Abschied,
Mein Blick sucht immer diese Stelle,
An der du fehlst,
Die eine Stelle,
Ach, du weißt schon,
Jene Stelle,
Wo du nicht mehr zu finden bist,
Kleine Pfote,
Eins zum Abschied,
Dein Platz ist leer und bleibt verlassen.

© sybille lengauer

Dieses Jahr war bisher ziemlich durchwachsen, wenn ich es so freundlich formulieren darf – ach, scheiß drauf, dieses Jahr war ziemlich kacke. Ich freue mich also umso mehr, dass meine Geschichte „Cat-astrophen“ im österreichischen DUM-Magazin abgedruckt wurde. Das Motto lautete „Pandabär statt Pandemie“ und die enthaltenen Kurzgeschichten mit „tierischen Einsichten“ sind definitiv lesenswert. Also, schnell in den Zeitungsladen eures Vertrauens gehüpft und das neue DUM gekauft!

btr

Ein linkisches Widerstandsliedchen

Meine Hände sind zu link für linken Widerstand,
Will ich mit Eiern werfen klebt mehr am Gewand, als an der Wand,
Darum gebe ich, was oftmals wird verkannt in diesem Land:
Meinen dichterisch begabten Haus- und Hinterhofverstand.
Ich reime gegen die Faschisten, auch wenn es ihnen arg missfällt,
Auch gegen Erzkapitalisten, denn sie zerfressen diese Welt,
Ich reime gegen Kampfparolen, ja ich reime gegen Krieg,
Euer Hass bleibt mir gestohlen, genau wie euer Traum vom Sieg.
Doch meine Hände sind zu link für linken Widerstand,
Will ich mit Farbe schmieren klebt mehr am Gewand, als an der Wand,
Darum bring’ ich ein, was selten frei entstand in diesem Land:
Meinen poetisch hochbegabten Haus- und Hinterhofverstand.
Ich reime für ein bess’res Leben, und zwar für alles was da kreucht,
Selbst für hässliche Amöben, die man bei Tageslicht verscheucht,
Denn nur vereint kann uns gelingen, was Einzelkämpfer niemals schaffen,
Den Nationalgeist zu bezwingen und die Abschaffung von Waffen.
Doch meine Hände sind zu link für linken Widerstand,
Will ich Plakate kleistern klebt mehr am Gewand, als an der Wand,
Darum gebe ich, was nach und nach verschwand aus diesem Land:
Meinen fabulös begabten Haus- und Hinterhofverstand.

© sybille lengauer

Über-Untergedicht

All the happy faces
Oh joy
Look at all the smiling faces
Joy!
All the happy faces
Everywhere joy
Everywhere joy
Joy
Joy joy joy joy
Übermüdet
Überfordert
Übervorteilt
Überlastet
Überanstrengt
Übernächtigt
Über-Überstrapaziert
Unterlegen
Untergeben
Unterbuttert
Unterlassen
Unterboten
Unterwandert
Unter-Unterakzeptiert

All the happy faces
Oh joy
All the happy faces
Everywhere
Look at all the smiling faces
Joy
Everywhere joy
Oh
The
Joy
Und immer wieder Völkerball
So will es das Gesetz
All the happy faces
Joy joy
All the happy faces
Everywhere
All the happy faces
Oh joy
Look at all the smiling faces
Überwältigt
Überbordend
Überladen
Überhäuft
Überanstrengt
Übernächtigt
Über-Überaffektiert
Unterlaufen
Untergraben
Unterjubelt
Unterkrochen
Unterboten
Unterwandert
Unter-Unter- Letztplatziert
Joy joy
Joy joy
Oh
The
Joy
Everywhere

Look at all the smiling faces…

© sybille lengauer

Machine Gun – ein Alptraum?
(Vorlesegedicht, Rhythmusgedicht)

Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder rund,
Wir ziehen in den Krieg.
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Der Horror scheint vergessen,
Der Blutzoll längst verjährt,
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Also auf, ihr jungen Menschen,
Die ärmsten gern voran!
Die Zähne gebleckt,
Die Fäuste gereckt,
Das Feindbild beschlossen,
Und draufgeschossen!
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder rund,
Wir ziehen in den Krieg
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Die Schuld scheint abgegolten,
Die Schrecken längst verklärt,
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Also auf, ihr jungen Leute,
Die verzweifeltsten voran!
Den Ranzen bestückt,
Die Waffen gezückt,
Das Weltbild festgegossen,
Und losgeschossen!
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta
Ra-Ta-Ta Ta-Ta Ta-Ta
Bald geht es wieder los,
Hörst du die Musik?
Ra-Ta-Ta Rata-Ra-Ta-Ta
Bald geht es wieder richtig rund,
Wir ziehen in den Krieg…

© sybille lengauer

Schau nur die Wolken

Veröffentlicht: August 3, 2021 in Gedichte
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Schau nur die Wolken

Ich streife barfuß zwischen den Feldern,
Über Steinchen und Sand führt mein Weg,
Es knistert im Weizen,
Hoch reckt sich der Mais,
Alles wartet auf Regen,
So wie ich.
Unter meinen bloßen Füßen,
Atmet der Feldweg im Rhythmus der Erde,
Über mir, im unendlichen Himmel,
Die Bäuche der Wolken,
Vom Wind glattgebürstet,
Streifen dunkel das träumende Land,
Schau nur, die Wolken,
Bereit die Last auszuschütten,
Die sie von weither getragen,
Zwischen alldem kreisen Schwalben,
Auf der Suche,
So wie ich.

© sybille lengauer