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Herz aus Beton

Endlich sind die alten Linden an der Kirche weg,
Man konnte gar nicht richtig in den Himmel seh’n,
Endlich sind die blöden, grünen Dinger weg,
An ihrer Stelle kann jetzt bald mein Auto steh’n,
Wo einst die Meise tirilierte und der Zaunkönig brillierte,
Wo die Amsel stolz gesungen, der Ruf der Nachtigall erklungen,
Baut der Mensch nun endlich seinen größten Schatz,
Einen Pi-, einen Po-, einen Parkplatz.

Endlich ist die alte Brache an der Straße weg,
Man konnte gar nicht mit dem Kind spazierengeh’n,
Endlich ist der dumme, grüne Schandfleck weg,
An seiner Stelle kann jetzt bald mein Häuschen steh’n,
Wo einst die schrille Spitzmaus wohnte und die Eidechse sich sonnte,
Wo sich der Schmetterling verpuppt’ und die Blindschleich’ sich geschuppt,
Lebt der Mensch nun endlich seine Träume aus,
In einem Drei-, in einem Zwei-, in einem Einfamilienhaus.

Endlich ist das alte Wasserloch am Dorfrand weg,
Man konnte gar nicht mit dem großen Trecker mäh’n,
Endlich ist die doofe, grüne Pfütze weg,
An ihrer Stelle kann jetzt bald mein Maisfeld steh’n,
Wo einst die Frösche lauthals quakten und die Reiher reihum stakten,
Wo der Storch reich Beute machte und der Grünspecht hämisch lachte,
Entsteht nun endlich eine Geld- und Wertanlage,
Eine Schwi-, eine Schwa-, eine Schweinemastanlage.

© sybille lengauer