Mit ‘Leben’ getaggte Beiträge

Aber

Veröffentlicht: April 14, 2014 in Gefasel
Schlagwörter:, ,
 
Angeschissen
Von Kopf bis Fuß.
Scheißeregen.
Scheißetraufe.
Alles außer lustig.
Aber trotzdem.
 
Auf die Schnauze gefallen.
Mit kräftigem Anlauf.
Blutstirn.
Blutaugen.
Alles außer witzig.
Aber trotzdem.
 
Aus dem Leben geschossen.
Katapultmäßig.
Aufprallschaden.
Aufprallbruch.
Alles außer nett.
Aber trotzdem.
 
Weitermachen.
 
 
© Sybille Lengauer
 
 
 
 
 
 
 
 

Leben

Veröffentlicht: April 4, 2014 in Gedichte
Schlagwörter:, , ,
 
Morgen fressen uns vielleicht die Würmer.
Doch heute wurmen wir hier noch herum.
Und winden uns, wie tapfre Gipfelstürmer.
Um Lebenswege, mutig oder dumm.
 
Wir halten fest an alten Idealen.
Oder treten ebendiese in den Dreck.
Egal was kommt, die Bilder die wir malen.
Wäscht die Zeit mit einem Blinzeln wieder weg.
 
Und wenn dereinst die Ratten an uns nagen.
Die heiße Sonne unsre Knochen spröde bleicht.
Wird jemand anders unsre Sorgen weitertragen.
Weil jedes Leben irgendwie dem nächsten gleicht.
 
© Sybille Lengauer
 
 

Frankensteins Freude

Veröffentlicht: Februar 19, 2014 in Gedichte
Schlagwörter:, ,
Das Leben ist schön!
In meinem Kopf da stecken Drähte.
Das Leben ist schön!
Aus meinen Augen tropft das Blut.
Das Leben ist schön!
An meiner Stirn verlaufen Nähte.
Das Leben ist schön!
Es geht mir gut.
 Es geht mir gut.

© Sybille Lengauer

Vielleicht

Veröffentlicht: Februar 12, 2014 in Geschichten oder so ähnlich, Politisches
Schlagwörter:, ,

Vielleicht laufe ich bald weg. Laufe von zu Hause weg, wie ein kleines Mädchen, das sein ungerechtes kleine-Mädchen-Leben nicht mehr erträgt. Das meint, es müsse in die große, weite Welt hinauslaufen, weit weg von der arroganten Engstirnigkeit, der spröden, langweiligen Erwachsenendiktatur. Das sich dann, keine drei Kilometer von zu Hause entfernt, im Wald verläuft und mit verweinten Augen den wolkenverhangenen Mond anheult. Wimmert und bettelt, dass es wieder ganz brav sein will. Das Gemüse essen, früh zu Bett gehen, die Hausaufgaben machen. Während der Wind um die zerzausten Baumwipfel braust und mit dem spärlichen Licht grausame Schattenspiele treibt.

Vielleicht laufe ich bald weg.

Aber noch sitze ich hier. Züchte Grübelfalten wie seltene Schmetterlinge.

Vielleicht lasse ich mich gehen. Lasse mich gehen, wie diese aufgedunsenen Saufbräute, über die man manchmal im Supermarkt stolpert. Blondierte, strohtrockene Stachelhaare. Hektisch-rote Flecken im vernebelten Gesicht. Das Leben war nicht gut zu ihnen. Hat sie behandelt wie ein drittklassiger Kellner einen Penner behandelt, der um ein Glas Wasser bittet und nur einen abfälligen, ekelerfüllten Blick erntet. Der mit einem Arschtritt aus dem Restaurant fliegt, während sich die Gäste kopfschüttelnd über ihre welken Pommes mit Schnitzelimitat beugen und so tun, als hätten sie so etwas spannendes noch nie gesehen. Dem keiner hinterherweint, wenn er später tot in der Gosse aufgefunden wird. Erfroren, erschlagen oder sonst irgendwie erniedrigend verstorben. Die Saufbräute haben mit stoischer Mine die Rechnung gezahlt, all die trüben Abende lang. Mit Bier, Weiß- oder Rotwein und später mit dem billigen Korn, der immer ganz unten im Regal zu finden ist. Wie sie selbst, immer ganz unten.

Vielleicht lasse ich mich gehen.

Aber noch sitze ich hier. Mikroskopiere Gedanken wie verseuchte Fadenwürmer.

Vielleicht reiße ich alles nieder. Reiße meine Existenz in Stücke, wie ein wütender Elefant seinen Zoowärter, dem er all die Jahre zuvor brav den Rüssel gereicht, das müde Bein entgegengestreckt hat. Dem jetzt plötzlich wieder einfällt, wie es sich angefühlt hat, als er noch ein echtes Tier war und nicht ein blasser Abklatsch seiner selbst, mit vermosstem Gehirn, erschlafften Muskeln und einer Trauer im Blick, die niemanden interessiert. Der seiner Wut freien Lauf lässt und hinterher erschossen wird, weil von seinem Wächter nichts mehr übrigblieb, als ein feuchter Flecken Fleisch auf dem desinfizierten Betonfußboden. Den anschließend die Löwen fressen, obwohl er schmeckt wie ein alter, ranziger Lederschuh.

Vielleicht reiße ich alles nieder.

Aber noch sitze ich hier. Zupfe Gedankenfäden wie welke Salatblätter.

Vielleicht bleibe ich auch hier. Bleibe hier und schaue meinem Leben zu, wie es dahinfließt. Kein trübes Rinnsal, kein reißender Fluß. Einfach ein ganz normales Leben. Mit kleinen, weißen Schaumkronen, die auf den leisen Wellen tanzen. Mit silbernen Fischen, die hektisch nach Kriebelmücken schnappen. Mit Treibgut, Abwasserzufluss und ein wenig Gold im Sand, damit es beim Sonnenuntergang im roten Abendlicht schimmert.

Ja, vielleicht bleibe ich auch hier.

© Sybille Lengauer

Sommer

Veröffentlicht: August 24, 2013 in Gedichte
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Eine tote Maus neben den Mülleimern im Hinterhof. Der Sommer.
Ein toter Rabe in der Gosse vor dem Haus. Modert vor sich hin.     
Ein totes Reh unter einem Busch im Dickicht. Riecht.
Eine tote Taube, gespickt mit Brombeerdornen. Ein wenig streng.


© Sybille Lengauer

Vorsatzversagen

Veröffentlicht: Dezember 27, 2011 in Gedichte
Schlagwörter:, ,
"Schon mal daran gedacht etwas zu ändern?
Ein Winterwunderlied"

Sei mal spontan anders, sei doch mal was anderes als du.
Nicht so schwerfällig. Eher Sphinxengleich unergründlich.
Wissenswert tödlich.
Sei doch nicht so mittelmenschlich.
Sei doch lieber anders.
Anders als du.

Anders als du.
Nicht so katastrophal kompliziert.
Nicht so emotional ausrangiert.
Nicht so rückgratlos kahlkastriert.
Anders als du.

Sei mal spontan anders, sei doch mal was anderes als du.
Nicht so wertnebensächlich. Mehr wellenlängig mit der Scheinrealität.
Ästhetisch sphärisch.
Sei doch nicht so zwischenmenschlich.
Sei doch lieber anders.
Anders als du.

Anders als du.
Nicht so katastrophal kompliziert.
Nicht so emotional ausrangiert.
Nicht so rückgratlos kahlkastriert.
Anders als du.

Sei mal spontan wie die anderen, sei doch mal anders als du.
Nicht so schmierenkomödiantisch. Eher unfassbar Kompakt.
Augengefällig faszinierend.
Sei doch nicht so außermenschlich.
Sei doch lieber anders.
Anders als du.

Anders als du.
Nicht so katastrophal kompliziert.
Nicht so emotional ausrangiert.
Nicht so rückgratlos kahlkastriert.
Anders als du.

© Sybille Lengauer

Und tausend Zigaretten später fällt dir ein, was fehlt. Und nichts was etwas daran ändern könnte. Nicht dass du es nicht versuchen würdest. Nicht dass du dich nicht angestrengt hättest. Tausend Wege führen nicht zwingend zum Glück. Und tausend Kaffeetassen später fällt dir auf, warum nichts geht. Und alles dreht sich nur um ein paar kleine Gedanken. Alles steht still, weil es an einer Stelle nicht weitergeht. Alles ist kein bisschen so wie erwartet. Tausend Träume führen nicht unbedingt zum Ziel. Und tausend Wutausbrüche später fällt dir auf, dass es egal ist. Und jeder der etwas anderes sagt ist ein Spinner. Jeder der dich verstehen will, läuft in den Stacheldraht. Jeder der dir widerspricht, verrät dich maßlos. Tausendfach geheuchelter Selbstbetrug führt nicht garantiert zur Zufriedenheit. Und tausend Eingeständnisse später fällt dir auf, was du erreicht hast. Und keiner, der es dir nicht schon früher gesagt hätte. Keiner, der nicht annähernd geahnt hätte, wie es kommen würde. Keiner, der nur einen Moment an dir gezweifelt hätte. Tausend nett gemeinte Worte führen nicht automatisch zu einem Happy End. Und tausend Zigaretten später, tausend Kaffetassen später, tausend Wutausbrüche später, tausend Eingeständnisse später, stehst du immer noch am Anfang, stehst du immer noch ganz wo anders, stehst du immer noch im Nirgendwo. Tausend Versuche führen immer noch ins Nichts.

© Sybille Lengauer