Mit ‘Liebeskummer’ getaggte Beiträge

Granit (Ein Steinlied)

Veröffentlicht: März 16, 2014 in Gedichte
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Du wütest durch mein Herz.
Ein Meißel.
Der mich in kleine Stücke schlägt.
Ich weine Tränen aus Granit.
Mitleid im Blick.
Weil es irgendwie schade ist.
Dass ich zerbrechen muss.
Graphitverschmiert.

Und du erfindest dich neu.
Ein strahlend frisches Ich.
Ohne mich.

Du rast durch mein Herz.
Ein Hammer.
Der mich zu feinem Staub zermalmt.
Ich weine Tränen aus Granit.
Mitleid im Blick.
Weil es irgendwie traurig ist.
Dass ich verschwinden muss.
Ausrangiert.

Und du erfindest dich neu.
Ein strahlend helles Ich.
Ohne mich.

Schon mal auf Sand gebaut?

© Sybille Lengauer

Asche

Veröffentlicht: August 14, 2013 in Gefasel
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Mein Luftschloss im Himmel. Treibt ziellos und langsam verfallend in der sanft leuchtenden Abendsonne. Von unzähligen Windstößen zerrieben, durch unglaubliche Zeiten verzehrt. Eine blau schimmernde Ruine im verblassenden Licht. Leere Fensterrahmen, vermodernde Türen. Kleine Bruchstücke von zartem Porzellan auf dem kalten Steinboden. Nur der Staub wagt noch kleine Spiele. Jagt seinen Schatten durch die eiskalten Zimmer. Kriecht in verborgene Ecken. Tanzt in wilden Teufelsspiralen im Kamin. Fragt, wohin wir gezogen sind. Alles nur noch Asche.

Doch wohin wir sind, Das weiß nur der Wind, Der uns treibt, Der uns treibt.

Mein Fels in der Brandung. Sinkt, bedeckt von Tang und schwer vom Salz, hinein in die unendliche See. Von unzähligen Wellen zerrieben, durch unglaubliche Prüfungen verzehrt. Ein dunkler Fleck in den umschlingenden Wogen. Mit jedem Schlag des Wassers kleiner werdend. Von Papageienfischen in kleine Stücke zerbissen, zu feinstem Sand gemahlen, der sich im Meer verliert. Nur die Sturmvögel wissen um diesen Verlust und weinen blutige Tränen. Sie kreisen über der Stelle, an der er Gischt und Sturmfluten trotzte. Singen krächzende Lieder auf seinen Untergang. Fragen, wieso wir verschwunden sind. Alles nur noch Asche.

Doch wohin wir sind, Das weiß nur der Wind, Der uns treibt, Der uns treibt.

Mein Ritter in strahlender Rüstung. Erstickt röchelnd und gurgelnd am eigenen Blut. Drückt mit der eisenumwobenen Hand das letzte bisschen Leben verzweifelt zurück in seinen Hals. Krümmt sich, bis der Schuppenpanzer bricht. Von unzähligen Kämpfen zerrieben, durch unglaubliche Taten verzehrt. Windet seinen sterbenden Körper in einer immer größer werdenden Lache. Zuckt, zittert, liegt schließlich still im Schein eines lächelnden Mondes. Von Ratten und Füchsen zerfressen, bleibt bald nur noch eine rostende Rüstung an der Stelle zurück, an der er mich verließ. Nur die Krähen feiern noch immer ein Fest an den wenigen Überresten. Delektieren sich an dem, was einst der Stolz meiner Armee war. Hocken in dicken, schwarzen Trauben um seinen zerbrochenen Panzer. Fragen, warum wir gegangen sind. Alles nur noch Asche.

Doch wohin wir sind, Das weiß nur der Wind, Der uns treibt, Der uns treibt.

© Sybille Lengauer

Der Wind

Veröffentlicht: Juli 30, 2013 in Gedichte, Geschichten oder so ähnlich
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Stille.  Nachtschlafene Zeit.  Der blass orange Lichtschein einer uralten Salzlampe, der von der Dunkelheit in eine Ecke des Raumes gedrängt wird. Die Existenz bleibt stehen. Verharrt in einer endlos langen, schmerzhaften Sekunde. Draußen kein Geräusch. Drinnen lautloses Weinen. Die Uhren stehen still. Etwas Wind kommt auf. Raschelt sanft in den Bäumen. Das Leben macht eine Pause, so kurz vor dem Abgrund. Verharrt dort, fast bewegungslos. Zittert ein wenig, weil mir gerade das Herz zerbricht. Vielleicht ist es aber auch nur der Wind.

Und vielleicht liegt alles nur am Wind, der uns forttreibt wie die Wolken. Ziellos. Zeitlos. Am sternenzerfunkelten Himmel. Der uns zusammenballt und wieder auseinanderreißt. Ohne erkennbare Richtung.

Schwere. Sommerschwüle Luft. Der Geruch von verwesendem Tod und sonnendurchtränkten Wiesen. Tiefe Atemzüge. Zwei. Drei. Vier. Pause. Die Gedanken drehen sich um sich selbst. Verweilen in einer endlos langen, schmerzhaften Schleife. Draußen geht das Leben weiter. Drinnen verliert es sich in Bedeutungslosigkeit. Der Wind wird stärker. Weht durch das offene Fenster. Bringt die Verheißung des Regens mit sich, riecht nach Kupfer und altem Eisen. Leises Donnergrollen durchbricht die Stille. Die Gegenwart dehnt sich unfassbar weit aus. Krümmt sich ein wenig, weil mir gerade das Herz zerbricht. Vielleicht ist es aber auch nur der Wind.

© Sybille Lengauer

Es is(s)t

Veröffentlicht: Juli 27, 2013 in Gefasel
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Es ist nicht richtig. Es ist so absolut nicht richtig, dass es sogar von der gegenüberliegenden Seite betrachtet falsch ist. Es ist verkehrt. Völlig und ohne Anspruch auf Ordnung. Es brennt, wuchert, ballt sich zusammen. Überflügelt und untergräbt. Frisst sich einen Weg, quer durch mein gesamtes System. Lächelt dabei. Es ist absurd. Es ist so unfassbar absurd, dass unsere Gehirne es auch vernetzt nicht klar erfassen können. Es ist unbegreiflich. Chaotisch und monströs in seiner Hässlichkeit. Und fräst sich in meine Haut. Reißt tiefe Löcher durch Muskeln, Sehnen, Knochen.  Durchbricht die Wände meiner Adern. Schlägt nadelspitze Zähne in jedes Blutkörperchen. Saugt mich auf. Stück für Stück. Bohrt blassrosa Tentakel durch meine Nervenbahnen. Lächelt dabei. Es ist abartig. Es ist so pervers abartig, dass ich erstarre wie das Kaninchen vor der Schlange. Die Pupillen geweitet, kalter Schweiß auf meiner Haut. Der Atem flach, die Botenstoffe rasen. Hektische Stroboskopgewitter in meinem Gehirn. Ein Feuerwerk der Panik. Das Herz steht fassungslos still. Es wirft mich hochkant aus meinem Körper. Tritt mich, eiskalten Blickes, aus meinem Universum. Schlingt mich weiter in sich hinein. Umwindet jede Zelle, bis alles in mir erstickt ist. Verschlingt genüsslich meine Seele. Lächelt dabei. Und ich habe Angst. Todesangst. Während es mir sein Schlaflied singt.

© Sybille Lengauer

Da ist plötzlich so ein Geräusch. So ein kleines Geräusch, das mitten hineinschlägt in die widerliche Fresse dieser Stille. Dieser unsäglichen Stille, die sich zwischen uns ausbreitet wie die schiere Pest. Eine widerliche Pest verletzter Gefühle, die uns versichert, dass wir uns egal sind. Dass wir uns scheißegal sind und ein „du und ich“ uns sowieso nicht mehr interessiert. Uns nicht mehr im Geringsten interessieren würde, selbst wenn der andere in Flammen stünde.
In Flammen stünden wir tatsächlich, hätten wir ein wenig aufgepasst. Ein wenig auf uns aufgepasst und auf das, was wir zu sagen hatten. Bis wir nichts mehr zu sagen hatten und dann plötzlich wieder dieses Geräusch. Dieses kleine Geräusch, wie von einem brechenden Herzen. Einem profan brechenden Herzen, das mitten hineinschlägt, in die ekelhafte Fresse des Stolzes. Diese grinsende Fresse falschen Stolzes und beiläufiger Freundlichkeit, die uns die letzten Monate gekostet hat.
Die uns alles gekostet hat und ich schaue dich an und du schaust zurück und wessen Herz das jetzt genau war, das da brach, das weiß keiner so genau. Aber so ganz genau interessiert uns das auch nicht mehr, immerhin ist der Zug ja abgefahren. Und hey, abgefahren wie dir jetzt plötzlich Tränen aus den Augen kullern und aus meinen Augen läuft auch so ein Zeug, so ein feuchtes, so ein warmes, dieses Zeug eben. Dieses Scheißzeug eben, das schon viel früher hätte laufen sollen, als es noch nicht zu spät war. Aber jetzt ist es eben zu spät und plötzlich ist es da wieder.
Plötzlich ist da wieder so ein Geräusch. So ein kleines Geräusch, das mitten hineinschlägt in die ekelhafte Fresse unserer Sehnsucht. Unserer unvorstellbaren Sehnsucht, die sich jetzt zwischen uns ausbreitet wie die Krätze. Diese feiste Krätze unausgesprochener Träume, die uns immer noch trennt, selbst jetzt, wo wir hier zusammenstehen wie begossene Pudel und anfangen zu Heulen. Heulen und Zähneklappern, als peinlicher Rest der uns bleibt und dann nichts mehr. Nichts mehr außer zwei gebrochenen Herzen, deren kläglicher Rest irgendwann aus unserer Haut eitern wird. Eine schwärende, eiternde Wunde, die sich nur noch um sich selbst dreht.
Also dreh dich nicht um und geh einfach. Geh rückwärts aus dem Raum, damit ich dir beim Gehen in die Augen sehen kann. Damit ich noch einmal sehen kann, warum ich mal ganz verträumt war, wenn du bei der Tür hereingekommen bist. Wenn du hereingekommen bist und ich dachte: Sind wir füreinander bestimmt, für immer vielleicht? Und vielleicht kommt dann noch so ein kleines Geräusch. So ein klitzekleines Scheißgeräusch von mir, wenn ich flüstere, dass ich dich liebe. Dass ich dich verdammt nochmal liebe und du jetzt trotzdem gehen sollst. Dass du, so schnell du kannst, gehen sollst und bitte, komm nie mehr wieder. Und wiederum hoffe ich insgeheim, du schlägst genau dann hinein. Schlägst mitten hinein in die eiskalte Fresse meiner hochnäsigen Sturheit und bleibst.
Bleibst bei mir und holst mich heraus aus diesem grauenhaften Kreislauf. Reißt mich fort von dem Fiasko. Nimmst mich mit auf eine neue Ebene. Lässt mit mir alles hinter dir und RAUS hier!!! Wir brechen die alten Normen auf, wir bezwingen unsere Eitelkeiten und beginnen neu. Ab hier ist alles offen! Wir sind frei! Aber plötzlich ist da wieder so ein Geräusch. So ein kleines Geräusch, das mitten hineinschlägt in die lächerliche Fratze meiner Hoffnung. Dieser letzten, unerfüllten Hoffnung meiner Gefühle. Meiner zerplatzenden Gefühle, die sich peinlich anfühlen, als du die Tür zuziehst und es klickt. Es zum letzten Mal klickt und Ende. Ende.

© Sybille Lengauer