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Sonnenaufgang

Veröffentlicht: November 30, 2019 in Gedichte
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Sonnenaufgang

Wie du tastend dich emporhebst,
Aus der düsteren Umarmung.
Deine Farben augenschmeichelnd,
Mit der Dunkelheit verwebst.
Wie du die Stille singend machst,
Weil tausend Vogelkehlen rufen:
„Halleluja! Wir sind Leben!“

Wie die Nacht zerschellt,
Wie die Nacht zerbricht,
An deinem Licht.

Wie du den Mond verblassen lässt,
Seinen Platz am Himmel forderst.
Die andern Sterne absorbierst,
Mit stummer Unausweichlichkeit.
Wie du das Himmelsschwarz zerfaserst,
Derweil die Vogelseelen singen:
„Halleluja! Wir sind Leben!“

Wie die Nacht zerschellt,
Wie die Nacht zerbricht,
An deinem Licht.

© sybille lengauer

Spätsommer

Veröffentlicht: August 22, 2019 in Gedichte
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Spätsommer

Du findest mich,
Zwischen Schatten und Licht,
Bei den Brombeersträuchern, die,
In den Himmel aufranken.
Du findest mich,
Zwischen Birke und Farn,
An der Drosselschmiede, die
Sich vor den Blicken verbirgt.
Du findest mich noch,
Du findest mich doch,
Sieh nur wie die Blätter fallen…

Du findest mich,
Zwischen Scholle und Stein,
In der Mitte der Dinge, die,
Man nur träumend findet.
Du findest mich,
Zwischen Fichte und Moos,
In den Waldtiefen, die,
Den Duft gefällter Kiefern atmen.
Du findest mich noch,
Du findest mich doch,
Sieh nur wie die Schwalben steigen…

Du findest mich,
Zwischen Ufer und Schilf,
Bei den Wildgänsen, die,
Von fernen Sommerlanden singen.
Du findest mich,
Zwischen Weide und Fluss,
In den Mückenschwärmen, die,
Über den stillen Wassern tanzen.
Du findest mich noch,
Du findest mich doch,
Sieh nur wie die Tage weichen…

© sybille lengauer

Heute Nacht, bei Vollmond, so schön,
Habe ich die Sterne in den Wiesen tanzen sehn.
An Flusses Ufer, wo die Königskerzen blühn,
Sah ich einen Reiher durch die Honiggräser ziehn.
Und ich stellte ihm die Frage,
Und ich stelle sie nun dir:
Träumte ich im Himmel?
Oder träumte er in mir?

© sybille lengauer

Reck dich hervor, du kleiner Same,
Drück den Spross durch all die Schichten,
Die, vom Morgenlicht durchsonnt, dich sanft bedecken.
In tiefem Schlummer, schliefst und träumtest du das Leben,
Doch nun wache, keime, wachse! Unablässig in den Himmel.
Eh der Frostschleier fällt.

Streck dich empor, du kleines Körnchen,
Spreiz deine Blätter in die Sphären,
Die, vom Morgenwind durchweht, dich sanft beglücken.
In hellem Aufruhr, sprießt und windet sich dein Leben,
Und so wache, keime, wachse! Unablässig in den Himmel.
Bis der Frostschleier fällt.

© sybille lengauer