Mit ‘Regen’ getaggte Beiträge

Im Regen

Veröffentlicht: Dezember 31, 2013 in Geschichten oder so ähnlich
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Ich stehe im Schlamm und höre dem Regen zu, wie er gegen meine Hutkrempe klopft. Und ich denke, dass der sich irgendwie anfühlt wie Spucke. Langsame, immer tiefer in meine Kleidung dringende, Wolkenspucke.  Direkt aus dem Himmel, speziell für mich. Scheißhimmel.

Manchmal, wenn man nicht genau aufpasst, stolpert man über solche Gedanken. Und dann steht man da, optional im Schlamm. Grübelnd. Sinnierend. Kommt zu keinem Ende. Denkt und denkt und denkt. Während die Welt weiterrennt. Hinterher! Hinter dem Geld. Hinterher! Hinter dem Schein. Hinterher! Hinter Schnickschnack und Firlefanz. Nur ich bin verrückt. Nur ich bin verrückt?

Nasse Füße bekomme ich jetzt auch so langsam. Weil der Schlamm sich durch die Nähte meiner Schuhe frisst. Sich langsam empor suppt, bis die Socken ganz aufgeweicht an den Zehen festkleben. Dreckssocken. Fehlen nur noch die Moskitos. Obwohl – dann gäbe es hier wenigstens Musik, zu dem ganzen Elend. Es tropft weiter von oben. Suppt weiter von unten. Und irgendwo dazwischen schlägt mein Herz. Auch nicht mehr ganz so geschmeidig. Da stehe ich jetzt, im Regen sowie in der Traufe. Während die Welt weiterrennt. Weg! Von der Angst vor dem Versagen. Weg! Vor der sozialen Kälte. Weg! Vom Absturz. Nur ich bin verrückt. Nur ich bin verrückt.

Während ich so langsam immer feuchter werde, stelle ich mir vor, dass der Wald um mich herum ganz aus Eisen besteht. Der Boden ist übersät von metallfleckigen Moosen. Hauchdünne Rostplattenblätter treiben im Wind. Die Bäume haben große Löcher, hineingefressen von der Zeit. Innen sind sie hohl. Damit der Sturm besser auf ihnen spielen kann. Die Luft ist erfüllt von metallischem Kreischen. Irgendwie schön. Nur der Schlamm ist immer noch ganz profaner Schlamm. Und ich. Immer noch verrückt.

© Sybille Lengauer

Dunkel

Veröffentlicht: Mai 17, 2011 in Geschichten oder so ähnlich
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Dunkel ist es hier draußen. So Dunkel. Ich liege auf kaltem Beton und höre Musik. Spüre wie sich kleine Kieselsteine gegen meine Schulterblätter drücken. Friere ein wenig. Schaue in den noch kälteren Himmel und stelle mir vor, dass irgendwo im Universum ein unbegreifliches Wesen gerade dasselbe macht wie ich. Einsame Straßenlichter spiegeln sich in meinen Augen. Ich rieche nasses Gras, feuchte Erde, Tannennadeln. Drehe die Musik ein wenig lauter und presse die Ohrstöpsel fester in meine Ohren. Frage mich, wie viele Menschen hier unten gerade dasselbe hören wie ich.

Dunkel ist es hier draußen. So Dunkel. Meine Gedanken dehnen sich auf dem kalten Beton und hören Kopfmusik. Spüren wie der Körper ein wenig unruhig wird, sich an den Kieselsteinen stört. Er friert. Meine Augen blicken hoch zum gefrorenen Himmel. Ich denke an Sternschnuppen und einen letzten Wunsch, der noch frei sein könnte. Der noch ungezwungen sein könnte. Unausgesprochen im Raum hängen könnte, starr in der Luft schwebend wie ein fragiler Kolibri aus Glas. Kleine Lichtblitze funkeln in meinem Kopf, spiegeln sich in den Augen, die den Himmel nach einer Antwort absuchen. Ich spüre die Vibration, als ein Auto vorbeifährt, rieche seine Abgase und denke an Urwälder vergangener Zeiten. An den Ursprung. Den Urknall. Frage mich, wie vielen Menschen hier unten gerade dasselbe tun wie ich.

Dunkel ist es hier draußen. So dunkel. Ich liege auf dem kalten Beton und über mir ziehen Wolken durch den Himmel. Regentropfen fallen auf mich herab. Ich starre die Wolken an und stelle mir vor, dass der Regen aus einem weit entfernten Ozean kommt. Raum und Zeit überbrückt hat, um sich nun auf meine Haut zu stürzen. Mein Körper zittert gegen die Kälte. Ich denke an Flüsse, die im frühen Morgenlicht zu dampfen scheinen. Denke an Nebelschwaden, Wolkenbrüche und Sommergewitter. Frage mich, warum die Zeit in den schönsten Momenten immer so schnell vergeht. Ich rutsche ein wenig hin und her, fühle wie mein Körper über den Boden schrappt. Mein Kopf drückt gegen den Boden, drückt immer fester, bis es weh tut. Haare bleiben im Beton hängen, ich lasse etwas zurück, bevor ich aufstehe und gehe. Gehe ich überhaupt? Oder bleibe ich liegen, bis Moos anfängt, auf mir zu wachsen? Ich frage mich, wie viele Menschen hier unten gerade über das Sterben nachdenken.

© Sybille Lengauer

Grausegrau (es regnet einfach zuviel)

Veröffentlicht: September 27, 2010 in Gedichte
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Grausegrau

Grausegraue Regentropfen, die auf deine Seele klopfen,
Löchern durch die Stirn.
Schreckensschwarzer Düsternebel, fest sich windend wie ein Knebel,
Fräst sich ins Gehirn.

Geworfen in die Fegefeuchte, suchst du Mensch das Sinngeleuchte,
Knietief im Morast.
Erkennst in wirbelnd’ Sinnesstrudel, dass du – wässrig wie der Pudel,
Dich selbst verloren hast.


© Sybille Lengauer