Mit ‘Tiere’ getaggte Beiträge

Frustfresserraupe

Auf einem welken Blatte,
Saß ohne große Lust,
Ein kleiner Raupengatte,
Und fraß, gegen den Frust,
Sich voll mit Chlorophyll.

Er war von seinem Raupenweib,
Verstoßen und verhöhnt,
Sie hatte seinen dicken Leib,
Verspottet und verpönt.
Drum fraß er auch so viel.

Nach dem Käferstündchen

Es schleimt zu ihrem Käferfreund,
Die kleine Nacktschneck‘ ganz verträumt,
Sie würd‘ ihn ewig lieben,
Da hat er sie vertrieben.

Im Garten

„Mein Schatz, wo bist du?“, fragt die Meise,
Ruft seinen Namen, laut und leise!
Vergebens sucht die Meis‘ den Gatten,
Mein Kater hat’n.

Wohin Manieren führen

„Wenn sie nur nicht so bitter wären,
Würd‘ ich sie VOR dem Sex verzehren.“
Sprach’s kauend vor sich hin,
Die Spinnerin.

Grausegrau

Grausegraue Regentropfen,
Die auf deine Seele klopfen,
Löchern durch die Stirn.
Schreckensschwarzer Düsternebel,
Fest sich windend wie ein Knebel,
Fräst sich ins Gehirn.

Geworfen in die Fegefeuchte,
Suchst du Mensch das Sinngeleuchte,
Knietief im Morast.
Erkennst im wirbelnd’ Sinnesstrudel,
Dass du, wässrig wie der Pudel,
Dich selbst verloren hast.

(c) sybille lengauer

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Mein Leben mit Tier (aus aktuellem Anlass)

Veröffentlicht: Januar 9, 2013 in Kurzgeschichten
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Heute ist Badetag. So etwas kennt der durchschnittliche Deutsche nicht unbedingt, weil die tägliche Dusche hierzulande eigentlich eine Pflichtveranstaltung darstellt. Nicht bei mir. Ich stinke nicht täglich. Aber schon regelmässig. Und heute ist es wieder soweit. Puh, wenn ich so an meiner Achsel schnuppere, wäre es eigentlich sogar schon gestern soweit gewesen. Aber was soll man machen, gestern hatte ich einfach keine Lust, nass zu werden. Heute schon! Also schnell jetzt, die kleine Badewanne einlassen. Eine gute Portion Schaumbad hineindrücken. Herrlich! Schon wachsen die ersten Schauminseln aus dem dampfenden Nass. Türmen sich übereinander. Bilden weiße, glitzernde Kontinente. Fließen schließlich ineinander, bis ein schaumiges Pangäa entsteht und mir verlockend entgegenglitzert. Ich freue mich schon, Teil dieses Schaumtraums zu werden. Also, raus aus den Klamotten und vorsichtig den dicken Zeh ins Wasser stecken – aua, es ist wirklich heiß. Ist aber nicht zu dramatisch, also hinein mit dem zaudernden Körper! Die Haut wird sofort rot, prickelt und brennt. Aber wenn man das ein paar Sekunden aushält, legt sich der Hitzeschock. Und dann wird es herrlich. Ich sinke in die Schaumflut. Schließe die Augen, seufze glücklich. Ah, da ist sie, die wohlige Entspannung.

Neben mir miaut es. Ich öffne die Augen und blicke in ein kleines, pelziges Gesicht. Mein roter Kater Konstantin steht am Badewannenrand und schaut mich fragend an. Betrachtet nachdenklich den Schaum und ich kann förmlich sehen, wie es in seinem kleinen Katzenhirn arbeitet.  Hinter ihm sieht seine bunte Schwester Tiffany neugierig zu, was er da so treibt. Er kommt zu einem Entschuss und steckt die linke Pfote in die weiße Glitzerpracht. Holt sich eine schöne Portion heran. Schnuppert und probiert vorsichtig mit der Zunge. Es scheint ihm zu schmecken. Und lustig ist es wohl auch. Konstantin holt sich noch einen Happen, springt damit auf den Boden und beginnt zu spielen. Kaum hat sich der Schaum aufgelöst, hopst er wieder hoch und langt erneut zu. Tiffany findet das äußerst interessant. Auch sie springt auf den Badewannenrand, untersucht den Schaum und langt dann kräftig zu. Die Schaumparty ist eröffnet! Ich lache Tränen, nehme kleine Schaumberge in die Hände und puste. Jetzt schneit es! Die Katzen geraten vor Begeisterung außer Rand und Band. Hüpfen und springen wie verrückt, um die Schaumfetzen zu fangen. Langsam verwandelt sich das Badezimmer in einen richtigen Nassraum. Aber meinen Katzen macht das nicht viel aus. Sie haben Spaß. Ich auch. Natürlich weiß ich, wie das Ganze hier enden wird. Einer der Beiden wird schließlich bei mir in der Wanne landen. Und sich dafür mit allen vorhandenen Krallen bedanken. Aber was soll’s? Also spielen wir weiter, bis Konstantin schließlich meine Vorahnung erfüllt. Ein kühner Sprung, eine raumgreifende Drehung und PLATSCH.

Weil ich damit gerechnet habe, fange ich ihn geschickt auf. Verhindere das Schlimmste. Aber sein Hinterteil ist pitschnass, das Katzenego deutlich angeschlagen. Wenig begeistert klammert er sich in mein Fleisch. Ich nehme das gelassen hin. Angle mit der freien Hand nach einem Handtuch und rubble den kleinen Katzenbatzen trocken, so gut es geht. Konstantin ist konsterniert. Beleidigt trollt er sich aus dem Badezimmer, sobald ich ihn auf die Fliesen setze. Mein Hund Toulouse nimmt ihn im Flur neugierig in Empfang. Möchte gerne erschnuppern, was da genau passiert ist. Konstantin befindet es für unnötig, sich abschnüffeln zu lassen und verkrümelt sich erhobenen Hauptes. Dass er dabei immer wieder die feuchten Hinterbeine ausschüttelt, dämpft den erhabenen Abgang ein wenig. Toulouse schaut ihm nach, bleibt aber wo er ist. Er weiß, dass eine beleidigte Katze über wenig Humor verfügt.

Tiffany hat derweil das Handtuch zum Opfertier erklärt. Sie beisst darauf herum, schlägt die Krallen hinein und freut sich sichtlich, dass sie einen so tollen, neuen Gegner gefunden hat. Frieden kehrt ein. Ich sinke wieder zurück in die Wanne. Mittlerweile ist das Wasser nur noch lauwarm, der Schaum zersetzt sich. Ich beginne mit der Körperpflege, bevor es mir zu kalt wird. Als ich gerade dabei bin, meine Haare zu waschen, platscht es erneut gewaltig. Ich bin einem Herzinfarkt nahe, habe mich kräftig erschrocken. Diesmal ist es aber keine Katze, die bei mir in der Wanne gelandet ist. Nein, es ist ein gottverdammter Kaktus! Tiffany hat das Interesse am Handtuchfeind rasch verloren und beschlossen, das Fenstersims zu erkunden. Dass sie dabei den Kaktus als Landeplatz für ihren tollen Hochsprung auserkoren hat, ist ein tragischer Zufall. Dass der Blumentopf bei ihrer entsetzten Flucht dann ausgerechnet in hohem Bogen zu mir ins Wasser fällt wohl auch.  Jetzt dümpelt der schöne Kaktus traurig bei mir in der Wanne herum und die sandige Erde verwandelt mein herrliches Schaumbad zügig in ein Schlammbad. Auch außerhalb der Wanne bietet sich ein Bild der Verheerung dem entsetzten Auge dar. Es war ein großer Blumentopf und im Sturz hat sich sein Inhalt großzügig über den Raum verteilt. Wo ich hinsehe, sehe ich Erdbrocken und Sand. Und auch ich war noch nie so sauber und dreckig zugleich. Überall Krümel, selbst in den Haaren.

Ich keife ein wenig. Klettere ärgerlich aus dem Dreckwasser. Tapse patschnass zur Tür und hole mir ein neues Handtuch. Von den Katzen ist derweil nichts mehr zu sehen, haben sich unisono verkrümelt, die Banditen. Mein Hund ist ebenfalls geflüchtet. Er schaut mir vom Schlafzimmer aus neugierig zu, während ich versuche, dem Chaos Herr zu werden. Das ist gar nicht so einfach. Erstmal den ersaufenden Kaktus aus den trüben Fluten retten. Dann selber provisorisch trocken werden. Irgendwas anziehen. Dann beginne ich mit den Aufräumarbeiten, hole Schaufel und Besen. Weil das schon wieder recht interessant ist und die schlimmste Gefahr vorüber, kommen Katzen und Hund, um mir zu helfen. Während ich also auf der einen Seite die nasse Erde zu kleinen Haufen kehre, werden diese hinter meinem Rücken neu umverteilt. So wandert ein Teil des Chaos zügig in den Flur. Wer jetzt die Nerven verliert, kann sich die Tierhaltung getrost sparen. Ich verliere sie trotzdem ein bisschen und schimpfe ziellos herum. Mensch bleibt halt Mensch. Die Tiere kümmern sich wenig darum. Erdferkeln ist einfach zu lustig. Erst als ich ihren natürlichen Erzfeind, den Staubsauger hole, ist der Spaß vorbei. Die drei Plagen ergreifen die Flucht. Ich sauge, kehre, wische und schimpfe dabei leise vor mich hin. Schießlich ist es geschafft. Der arme Kaktus steht in einem neuen Topf mit Erde auf dem Wohnzimmertisch. Der Boden ist großteils zumutbar, auch wenn ich nicht davon essen würde. Handtücher und Badezimmerteppich werden in der Waschmaschine sauber.

Puh! Jetzt erstmal eine rauchen. Ich wickle mich in meine Kuscheldecke und setze mich auf die Couch. Für die Katzen ist das ein ultimatives Signal. Schon sitzen beide auf meinem Schoß und schnurren herzhaft. Toulouse trottet auch heran. Beobachtet, was wir da treiben. Und während ich mir genüsslich die wohlverdiente Zigarette anzünde, beschließt mein Hund heldenhaft, dass man den Kaktus nicht so einsam herumstehen lassen darf. Bevor ich auch nur blinzeln kann, beißt er beherzt in die leidgeprüfte Pflanze und rupft sie vom Tisch. Ein Schelm, wer dabei an göttliche Fügung denkt…

© Sybille Lengauer

PS.: Kein Tier ist bei dieser Geschichte zu Schaden gekommen, ein Überleben des Kaktus kann ich allerdings nicht garantieren.

Wanderung mit Hund

Veröffentlicht: November 17, 2011 in Gefasel
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Wir ziehen still durch eine langsam ergrauende Landschaft. Seite an Seite rascheln wir durch den tiefen Blätterteppich. Die Nasen voll Herbst üben wir uns in sanfter Harmonie. Über uns ist die Hölle los, die letzten Vogelschwärme sammeln sich. Brechen auf zu ihrer Reise in den Süden. Du schaust ihnen hinterher, als könntest du irgendetwas daran ändern. Ändert aber nichts. Der Winter kommt. Aber nicht jetzt. Starkstrommasten singen in den Strahlen der untergehenden Sonne. Singen zirpende, summende Lieder reiner Energie. Ragen stahlstarr in den dunkler werdenden Himmel. Wirken so, als wollten sie abheben. Zu einer eigenen Reise aufbrechen. Nicht unbedingt in den Süden. Dafür vielleicht ins All. Ich schaue weit über abgeerntete Felder. Nach dreißig Jahren bin ich dessen immer noch nicht überdrüssig. Der unendliche Himmel, keilförmig von unzähligen Gänsen zerflogen. Treibende Wolkenfetzen. Zu Boden treibendes Laub. Erkahlende Bäume. Zu meinen Füßen raschelt kleines Leben. Es weiß, der Winter kommt. Dieser Geruch. Voll, satt, weich. Süß und herb. Du schaust mir in die Augen und während sich unsere Blicke treffen, hämmert ein Buntspecht direkt über unseren Köpfen. Wir beobachten ihn und dann machen wir uns auf. Wandern zurück in ein warmes Zuhause. Zurück in die bequeme Deckenburg, die wir uns gegen die Kälte errichtet haben. Du wirst dich nah an mich legen, deinen Kopf auf mein Knie betten, tief seufzen und dann einschlafen. Vom kleinen Leben im Blätterdschungel träumen. Deine Pfoten werden zucken weil du sie im Traum jagst, während ich denke dass der Winter kommt. Schon bald.

© Sybille Lengauer

Wenn ich

Wenn ich ein Gänseblümchen wär, würd ich geknickt,
Dann in ein Buch hineingepresst und totgedrückt.

Wenn ich ein Füchslein wär, dann würde ich erschlagen,
Dann in die Gerberei gebracht, als Pelz getragen.

Wenn ich ein Friedenstäublein wär, würd ich erschossen,
Dann in ein Restaurant gebracht, zu Wein genossen.

Wenn ich ein Falter wär, dann würde ich gefangen,
Dann in die Sammelbox gepinnt und aufgehangen.

Wenn in ein Karpfen wär, dann würde ich gefischt,
Dann in der Pfanne frisch gegart und aufgetischt.

Wenn ich ein Spinnchen wär, dann würde ich zerknüllt,
Dann in ein Klo geworfen und auch noch gespült.

Wenn ich so denke was passiert, dann graust mir schon…
Da bleib ich Mensch – ich scheiß auf Reinkarnation.

© Sybille Lengauer